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"Endlich" Bewegung im Heidelberger Schloss?

Heidelberger SpizzenPosted by Redaktion Fri, August 06, 2010 17:36:27
„Ins Schloss kommt endlich Bewegung“ titelte die Heidelberger Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) anlässlich der Grundsteinlegung des neuen Besucherzentrums im Heidelberger Schloss und wärmte letztlich doch wieder zahllose alte Kamellen auf.

Die erste Kamelle: Im Schloss IST längst Bewegung. Wenn das Land nicht seit Jahren Millionenbeträge in die weltbekannte Ruine investieren würde, wäre das Schloss wirklich nur noch eine Ruine – und eine gefährliche dazu. Die anderthalb bis zwei Millionen, die jährlich investiert werden, sind dem Berichterstatter der RNZ nur eine Randbemerkung, einen Halbsatz wert.

Der Autor dieser Zeilen wies im übrigen Staatssekretär Scheffold im Gespräch auf einen kleinen Mangel in der Öffentlichkeitsarbeit des Landes hin: Es werden zwar jährlich hohe Beträge zur Sicherung des Schlosses verbaut – aber keiner in Heidelberg bekommt das wirklich mit. Auf dem Asperg bei Ludwigsburg – hier investiert ebenfalls das Land – ist das anders. Da wird auf großen Tafeln die Bevölkerung informiert. Über alles, über den Bau und alle Begleitumstände. Auch über die Fledermäuse. Ich denke, die Heidelberger Bürger haben ein Recht darauf, zu wissen, was in „ihrem“ Schloss vorgeht.
Ludwigsburg kanns besser: Ausführliche Besucherinformation an der Festungs-Baustelle. Aufnahme 2009.


Viel wichtiger ist die leidige Toilettenfrage. Das MUSS natürlich wieder und wieder erwähnt werden. Die zweite Kamelle. Jahrelang Gejammer, es gebe keine Toiletten. Dabei gibt es welche – im Zwingerbereich und im Fasskeller. Nicht behindertengerecht, sicher. Aber es gab ja auch jahrelang (wir erinnern uns: 2007-2009) viel Getöse um diese unsägliche Rekonstruktion des Schlossgartens. Da ist auch niemand von den Investoren (Mäzene nannten sie sich) aufgestanden und hat gesagt, wir machen Nägel mit Köpfen, wir suchen und finden eine Interimslösung. Das hätte ja Ideen gebraucht. Oder hätte das die ehrenamtlich arbeitende Bürgerinitiative FÜR den Schlossgarten leisten sollen?

Die dritte Kamelle: Die Bilder des Besucherzentrums. Abgesehen von der Tatsache, dass man eine Animation ganz gewiss nicht in der Zeitung abdrucken kann – es sind wieder nur die alten Bilder vom Neubau. In der perspektivischen Verkürzung lassen sie die Fenster wirklich nur als in den Kubus gesägte Lichtschlitze erscheinen. Dass der Bau damit bei den Heidelbergern keine Liebe erzeugt, ist verständlich. Betrachtet man ihn dagegen von vorne (das ausgestellte Modell zu fotografieren hätte genügt!) dann zeigt er sich gar nicht so abweisend-unfreundlich. Das hätte doch von vornherein Klarheit in die Diskussion um den schnell als „Toilettenbunker“ verschrienen Bau gebracht.