Der Landeskunde-Blog

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Beobachtungen, Notizen, Anmerkungen.

Fanclub Luise von Degenfeld

Neu auf kulturer.bePosted by Redaktion Fri, April 03, 2009 00:03:45
Das Schicksal schlug wieder zu.

Pressetermin im Residenzschloss der Kurfürsten von der Pfalz in Heidelberg.

Über den Hof kam SIE <Kunstpause>

- Marie Luise von Degenfeld, an der Hand des Mannes, der sie zur linken Hand geheiratet hatte, Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz.
Marie Luise mit dem Liebreiz, den nur sie ausstrahlen kann.
Das Herz des Hofschreibers schmolz dahin.
*seufz*


Luise von Degenfeld als Figur einer Kostüm-Sonderführung im Heidelberger Schloss

Nun gut. Soweit die Mär.
Des Berichterstatters Herz fand bald wieder seine Ruhe und wandte sich der schnöden Historie zu.
Erste Frage: Was meint Wikipedia dazu?

Erste Einschätzung: Hier war ein Künstler der enzyklopädisch-sachlichen Information am Werk.
Erster Satz: "Die schöne Freiin Degenfeld übte bald eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf den Kurfürsten aus, der zuletzt vor keinem Hindernis zurückschreckte, sie zu besitzen."
Whow!
Johanna Lindsey würde vor Neid erblassen.

Karl Ludwig, Kurfürst von der Pfalz, war tatsächlich hingerissen von Luise, kein Zweifel. Und eine Frau besitzen? Das mag in der Tat im Denkschema eines pfälzischen Kurfürsten verankert gewesen sein. Aber das so einfach zu schreiben, heute, da gehört schon einiges dazu.

Zweite Aussage: "Ihr zu Ehren ließ der Kurfürst Karl Ludwig von 1659 bis 1661 in der Heidelberger Altstadt die Providenzkirche, die erste lutherische Kirche in der Residenzstadt erbauen."

Einfach nur schräg. Selbst Karl Ludwig erbaute keine Kirche "zu Ehren" seiner Geliebten. Sondern für die lutherische Gemeinde in der Stadt. Die in Lusie von Degenfeld wohl endlich die nötige Fürsprecherin gefunden hatte.

Dass "man" irgendwann den Wikipedia-Artikel um Luisens Aufenthaltsort Schwetzingen erweitern sollte, steht auf einem anderen Blatt.

Um Luise von Degenfeld hier mit Landeskunde online zu verlinken, schlug der Hofschreiber die entsprechende Seite auf - und erstarrte. Jetzt wusste er, wo der Wikipedia-Schreiber die Formulierung "ihr zu Ehren" her hatte. Peinlich.

Wir stehen dazu - und haben korrigiert.

Es ist eine durchaus romantische - und zugleich bürgerliche - Vorstellung, wie Luise des Nachts im Bett wach liegt und ihren Karl Ludwig piesackt: "Karl Ludwig?" - "brumm brumm" <andere Männer sagen da einfach 'mmmmmmmhm'> - "Sag mal... die Lutheraner haben doch noch keine Kirche in Heidelberg!?" - "brumm brumm" - "Könntest du da nicht... du bist doch der Kurfürst!" - "brumm brumm" - "War das ein Ja oder ein Ja?"

Die Providenzkirche in der Heidelberger Altstadt, die erste und einzige lutherische Kirche der Residenz, zeigt, dass es kein Ja war, sondern ein Ja.

Luise von Degenfeld lebte von 1634 bis 1677 (sollte man kaum glauben, so frisch wie sie auf dem Bild aussieht), ihr morganatischer Gemahl, Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz, von 1617 - 1680.

Luise von Degenfeld hat übrigens einen Fanclub. Einschreibungen werden hier entgegengenommen.

Ach ja. Warum der Beitrag hier überhaupt steht: Die Sonderführungen im Heidelberger Schloss sind ein echtes Highlight. Ein Hochlicht also (deutsch).