Der Landeskunde-Blog

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I. Das Thema

Die Schweizer TapetePosted by Redaktion Sat, July 14, 2018 18:50:06

Die elsässische Tapetenmanufaktur Zuber stellte 1804 eine Panoramatapete "Vue de Suisse" her, für die einige damals handelsübliche Kupferstiche als Vorlage dienten und in einer großformatigen Ansicht der Landschaft des Berner Oberlands zusammengestellt wurden. Diese Tapete traf den Geschmack der Zeit und wurde bis 1823 1280 mal verkauft. Ein Exemplar der ersten Auflage hängt in doppelter Ausfertigung in Schloss Schwetzingen (Rhein-Neckar-Kreis, Baden-Württemberg), ein weiteres in Schloss Rheda (Nordrhein-Westfalen), ein drittes im Stockalp-Palast in Brig (Schweiz), ein viertes Exemplar befindet sich im Besitz des Musée de l'Art decorativ in Paris, ein fünftes in Schloss Belvedere in Weimar. Ein acht Bahnen umfassender Ausschnitt hängt im Rathaus von Lenzburg (AG). Ein Neudruck des 20. Jahrhunderts hängt im Fürstenlager in Bensheim-Auerbach (Hessen), ob das Exemplar in Nyon (VD) im ehemaligen Hotel "Clos de Sadex" nach der Schließung des Hotels und der Umwandlung in Privatwohnungen noch existiert, müsste noch eruiert werden.

Die Tapete besteht aus 16 Bahnen zu je 67,5 cm Breite. Für den Druck mussten einzelne Bogen zusammengeklebt werden, da das Rollenpapier noch nicht erfunden war. Für den Druck mit 95 verschiedenen Farbtönen benötigte man insgesamt 1024 Druckstöcke. 1806 erhielt die Manufaktur in der ersten Industrieausstellung in Paris für die "Vue de Suisse" die Silbermedaille.

Jean Zuber, der 1802 die Tapetenmanufaktur in Rixheim übernommen hatte, war eng mit der Oberschicht von Mulhouse vernetzt und pflegte wie diese enge Verbindungen zur Schweiz. Noch im Jahr der Übernahme nahm er schon Verhandlungen mit dem Pariser Künstler Pierre Antoine Mongin (1761 – 1827) auf, der unter anderem durch Landschaften bekannt geworden war. Zuber sorgte für Vorlagen und Mongin erhielt den Auftrag, eine Panorama-Ansicht zu entwerfen. Mittels Subskription waren vor Fertigstellung der Tapete schon 160 Exemplare verkauft.


Es wird das Bild einer ideal wirkenden Landschaft um den Brienzer See entworfen, das die touristischen Anziehungspunkte für den Reisenden des ausgehenden 18. Jahrhunderts enthält: Burg Ringgenberg, der Gießbachfall, das Dorf Brienz. Diese Szenerie entwickelt sich vor dem Hintergrund der Berge und Gletscher des Berner Oberlands: Rosenlaui, Eiger und Jungfrau. Mit den letzteren beiden Bergstöcken geht der Blick des virtuellen Besuchers auch in das Tal der Lütschine, wo bei Lauterbrunnen der Staubbachfall schon Goethe faszinierte und inspirierte. Dieser leitet auf den ersten beiden Bahnen die Szenerie ein. Landleute in Trachten beleben die Szenen. Das Panorama klingt mit einer Darstellung von Schloss Grandson am Neuchâteler See und der Teufelsbrücke in der Schöllenenschlucht vor dem heroisch idealisierten Gotthardmassiv aus und gibt damit zwei Schlüsselszenen der Schweizer nationalen Identität.

Es ist durch eingehende Studien gelungen, die meisten der Vorlagen für die Tapete zu identifizieren. Diese Forschungen sind veröffentlicht und sie zu wiederholen ist nicht Sinn dieser Seiten. Aber schon der Vergleich mit den Vorlagen zeigt eine freie Behandlung der Szenerien durch den Maler. Ein Vergleich mit der Natur und der topografischen Wirklichkeit ist vor allem für den Nicht-Schweizer interessant, zumal sich damit das Fortleben der als "typisch schweizerischen" Ikonografie zeigt.

Die Panorama-Tapete in Schwetzingen:

Zu sehen April bis Oktober mit der "Klassischen Schlossführung (lang)" Mo – Fr 14 h; Sa, So, Feiertag 12, 14 und 16 h

Schloss Rheda:

Offene Führungen Sonntags

Stockalp-Schloss Brig:

Sommertermine Di – So 9.30 h, 10.30 h, 13.30 h, 14.30 h, 15.30 h, Juni – Sept. auch 16.30 h.