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Die ersten Trinksprüche

Mädelsparty in HeidelbergPosted by Redaktion Tue, January 14, 2014 12:55:51

Musik, Tanz und Schlemmerei bestimmen die Mädelsparty im Heidelberger Schloss. Vorher jedoch kommen die zwölf jungen Frauen im Obergeschoss des Fassbaus zusammen und trinken auf das Wohl der Frauen, die in der Geschichte des Schlosses und seiner Bewohner im Schloss und mit dem Schloss gelitten haben.

Billi, die Bayerin, erhebt ihr Glas auf das Wohl von Marie, der Hingerichteten.

Marie von Brabant war die Ehefrau Ludwigs II., des ersten in Heidelberg geborenen wittelsbachischen Pfalzgrafen. Sie war 28, als sie 1254 den Pfalzgrafen heiratete (er war 25), und voller Sorge um ihren Liebsten schrieb sie an einen Junker am Hof einen Brief, er solle ganz besonders auf seinen Herrn acht geben. Dieser jedoch muss voller Misstrauen gewesen sein, dass ein Schriftstück von einer Frau nur Untreue, Ungemach und Schändliches bedeuten konnte, verdächtigte sie eines Verhältnisses mit dem Junker und ließ sie hinrichten. Das war 1256, und Marie war gerade einmal 30. Erst hinterher kam ihm die Idee, dass die Sache ganz anderes gewesen sein konnte, und zur Sühne für den jähzornigen Mord stiftete er das Kloster Fürstenfeld in der Nähe von München. Lebendig wurde Marie davon nicht mehr. Warum die Nachwelt Ludwig mit dem Beinamen „der Strenge“ versah, ist wohl nicht so ganz nachzuvollziehen.

Maggie, die Sizilianerin, erhebt ihr Glas (Dornfelder aus der Pfalz) auf Anna, die schöne Königin und jung Verstorbene.

Anna von der Pfalz war die Tochter des Pfalzgrafen Rudolf, der sich 1329 endlich mit seinem Onkel Ludwig (Herzog von Bayern, Pfalzgraf bei Rhein und Römischer Kaiser) über die Pfalzgrafschaft hatte einigen können. Um das Bündnis mit dem deutschen König Karl IV., gleichzeitig König von Böhmen und später Römischer Kaiser, in die Wege zu leiten und zu festigen, heiratete Karl 1349 die zwanzigjährige Pfälzerin, deren Schönheit die Zeitgenossen rühmten. Gegen Ende desselben Jahres 1349 wurde Anna in Prag zur Königin von Böhmen gekrönt, im folgenden Jahr gebar sie ihren ersten Sohn Wenzel. Dass es ihr einziger bleiben sollte, war nicht vorauszusehen – der kleine Königssohn starb schon 1351, Anna selbst starb 1353, da war sie 23. Vermutlich bei einer neuen Schwangerschaft.

Eli, die Nürnbergerin, trinkt auf das Wohl von Clara Tott (oder Dett), die musikalisch begabte und gefangen gesetzte Geliebte.

Clara Tott (oder Dett) war eine Augsburger Bürgerstochter (vielleicht aber doch „von Tettingen“, Patrizierin und damit adliger Abkunft) und war dem Pfälzer Kurfürsten Friedrich I, dem Siegreichen, aufgefallen, als der in München mit dem Bayernherzog an einem politischen Bündnis schmiedete. Friedrich muss nicht nur auf dem Schlachtfeld siegreich gewesen sein. Er, der, um Kurfürst zu werden, seinen eigenen Neffen adoptiert und eigene Ehelosigkeit gelobt hatte, um dessen Erbanspruch nicht zu schmälern, nahm sich Clara als Geliebte und hatte zwei Kinder mit ihr. Der ältere schlug die geistliche Laufbahn ein, der zweite wurde, weil er wohl letztlich doch ehelicher, wenn auch nicht standesgemäßer Abkunft war, mit der Grafschaft Löwenstein abgefunden und zum Stammvater der Fürsten von Löwenstein-Wertheim. Clara indessen war musikalisch begabt und baute am Heidelberger Hof die Hofmusik auf. Ihre Stellung am Hof war jedoch Gefährdung und Staatsgeheimnis zugleich, da sie letztendlich wohl doch Erbansprüche hatte. Friedrichs Neffe, Adoptivsohn und Nachfolger in der Kurwürde Philipp setzte sie daher nach Friedrichs Tod kurzerhand auf Burg Lindenfels für einige Jahre gefangen. Geburts- und Sterbejahr Claras sind nicht bekannt. Wenn sie 20 Jahre alt war, als sie Friedrich 1459 in die Augen und ins Herz fiel, war sie 23, als er sie heiratete, dann war sie 37, als er starb. Was aus ihr wurde, weiß niemand.

In Augsburg ist immerhin ein kleines, kaum vier Häuser aufweisendes Sträßchen nach Clara Tott benannt.

Sabeth, die Philosophin, hebt ihr Glas auf Elisabeth von Bayern-Landshut, die gescheiterte Erbin.

Elisabeth war die einzige Tochter und Erbin des Herzogs Georgs des Reichen von Bayern-Landshut. Dessen Hochzeit mit der polnischen Königstochter Jadwiga wurde 1475 mit großem Pomp in Landshut gefeiert – und ist auch heute noch Gelegenheit für eines der ganz seltenen Renaissance-Spektakel in Deutschland. Drei Jahre danach gebar Elisabeth ihre Tochter, die nach ihr ebenfalls Elisabeth hieß. Vater Georg war Herzog über das reiche, von den Handelsströmen der Zeit und dem Salzreichtum des Landes profitierende Niederbayern, und er wusste, dass sein reiches Land nach seinem erbenlosen Tod in die Hände seines oberbayrischen Vetters in München fallen würde. Er sann auf Abhilfe und schloss mit Kurfürst Philipp von der Pfalz 1496 einen geheimen Vertrag, in dem eine Ehe zwischen Tochter Elisabeth und dem damals noch minderjährigen Kurfürstensohn Ruprecht und ein Erbrecht des Paares verabredet wurden. Ruprecht wurde 1498 volljährig und heiratete verabredungsgemäß Elisabeth. Das Erbe jedoch konnte gegen die Allianz des Bayernherzogs in München mit dem Kaiser nicht durchgesetzt werden, der Landshuter Erbfolgekrieg rief alle Gegner der Pfalz auf den Plan und ging 1504 für die Pfalz verloren. Ruprecht und Elisabeth starben kurz danach an der Ruhr und hinterließen zwei kleine Söhne, für die aus dem Erbe der Mutter mit Neuburg ein kleines Fürstentum geschaffen wurde.

Für das große und mächtige Land, das damals hätte entstehen können, für die Vereinigung der Pfalz und Niederbayerns, gibts noch einen Extraschluck. Und für Ottheinrich, den Sohn aus der Ehe der beiden, noch einen.