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1926 - Für freie Ufer am Bodensee

100 Jahre Badische HeimatPosted by Redaktion Sun, May 03, 2009 11:28:45
Geradezu hochaktuell mutet ein längerer Aufsatz an, den Emil Reisser, Konstanz, im 13. Jahrgang (1926) der Zeitschrift "Mein Heimatland" veröffentlichte. Unter dem Titel "Die Bodenseeufer, ihre Schönheit und ihre Erhaltung" tritt er dabei energisch für die Freiheit der Uferzonen und den freien Zutritt zu ihnen ein. Sein Argument: "Wenn das natürliche Ufer durch ein künstliches, durch Mauern oder gemauerte Böschungen, ersetzt wird, besonders wenn, wie üblich, diese in den See vorgeschoben werden, so leidet darunter das für den Naturhaushalt des Sees unentbehrliche Tier- und Pflanzenleben. Besonders betroffen wird die Fischerei, weil die Laich- und Standplätze der Fische beseitigt werden."
Natürlich ist der Gedanke der Erhaltung des Sees inzwischen fast schon Allgemeingut der Politik und Bestandteil (hoffentlich) aller Bauordnungen. Und den freien Zutritt zum Seeufer für Jedermann mag in unerer Zeit des massenhaften Freizeitindividualismus niemand mehr ernsthaft fordern. Aber der Grundgedanke, Natur- und Kulturlandschaft aus ökologischen Gründen besonders zu schützen, um das gesamte Netzwerk, das sich damit verbindet, für die Menschen kommender Generationen zu erhalten, den vertritt die Badische Heimat 1926 wie 2009.


Reissers Schlusssatz - ebenso aktuell: "Die Siedlungstätigkeit ist derjenige Zweig menschlicher Tätigkeit, der am meisten auf lange Sicht berechnet ist, bei dem Voraussicht des Künftigen am schwierigsten und die Wiedergutmachung von Fehlern fast unmöglich ist."

Bei der Badischen Heimat gab es letztes Jahr ein Bodensee-Special.
Badische Heimat > Online-Dossier > Bodensee 2008
Wir arbeiten auch dieses Jahr wieder daran.

Das Bild aus dem erwähnten Aufsatz zeigt die Westspitze der Insel Reichenau mit Niederzell und der Kirche St. Peter und Paul.