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Geliebt und von Gott gestraft, verfolgt und gedemütigt und instrumentalisiert - Die nächsten Trinksprüche

Mädelsparty in HeidelbergPosted by Redaktion Mon, January 27, 2014 00:09:03

Doro, die junge Dänin, bringt einen Toast auf Susanna aus, die Geliebte und von Gott Gestrafte.

Susanna von Bayern wurde 1502 geboren, heiratete mit 16 Jahren den Markgrafen Kasimir von Brandenburg-Kulmbach und nach dessen frühem Tod 1529, mit 27 Jahren, den gleichaltrigen Herzog Ottheinrich von Neuburg. Das war das Jahr, in dem das Augenmerk Europas der Belagerung Wiens durch die Türken galt. Das Paar ließ sich – als erstes Paar aus dem pfälzischen Umkreis – in verschiedenen Darstellungen feiern, die Zeichen sprechen dafür, dass sich beide tatsächlich geliebt haben – was in den Zeiten arrangierter und politisch motivierter Ehen nicht unbedingt üblich war. Ein erster Schatten fiel jedoch auf diese Liebe, als der erhoffte Kindersegen ausblieb. Da halfen auch Wallfahrten und Badereisen nichts. An ihr liege es nicht, mochte Susanna gedacht haben, sie hatte in ihrer ersten Ehe schon fünf Kinder zur Welt gebracht. Ottheinrich aber sah gegen Ende seines Lebens seine Kinderlosigkeit – die schließlich das Ende der alten Heidelberger Kurlinie bedeutete – als eine Strafe Gottes an. Strafe dafür, dass sein Vorfahr, Kurfürst Ludwig II. 1414 in Konstanz den tschechischen Reformator Jan Hus als Ketzer hatte hinrichten lassen. Das war reformatorisches Denken, das im letzten Lebensjahr Susannas einen weiteren Schatten auf die Beziehung zu Ottheinrich fallen ließ. Susanna starb 1543, 41 Jahre alt. Sie erlebte weder mit, wie Ottheinrich 1544 Neuburg verlassen musste, noch, wie er 1556 als Kurfürst in Heidelberg einzog.

Lulu, die Niederländerin, erhebt das Glas auf Elisabeth von Sachsen, die verfolgte und gedemütigte Protestantin.

Es war eine politisch arrangierte Ehe, wie so viele in dieser Zeit, die Elisabeth von Sachsen 1570 im Alter von 18 Jahren an die Seite des pfälzischen Prinzen Johann Casimir führte. Die Heirat an sich war schon politisch genug, versammelte sich doch in Heidelberg die protestantische Elite des Reiches, was den Kaiser zu dem Verdacht brachte, hier werde ein protestantischer „Gegenreichstag“ abgehalten. Johann Casimir allerdings fühlte sich als die Speerspitze des Calvinismus in Deutschland und machte Elisabeth 1576 zunächst, nach dem Tod seiner Vaters Friedrich III., zur Fürstin von Pfalz-Lautern, 1583 dann, nach dem Tod seines Bruders Ludwig VI., zur Gemahlin des Kuradministrators in Heidelberg. Das politische Bündnis mit Sachsen allerdings trug keine politischen Früchte, sondern wurde nur zu einem Wettbewerb, wer das größte Fass bauen konnte. Elisabeth blieb weiter lutherisch, was ihr Mann als pure Halsstarrigkeit ansah, die er ihr austreiben musste. Seinen Konversionsversuchen widerstand sie, wurde schließlich 1589 eines Mordanschlags auf ihn bezichtigt, fand bei ihrem eigenen Bruder nur taube Ohren und landete im Gefängnis. Es half ihr nichts mehr, dass sie klein beigab und zur reformierten Konfession wechselte – sie starb 1590 im Alter von 38 Jahren. Immerhin überlebte sie ihr eifernder Gemahl nur um noch nicht einmal zwei Jahre.

Ihre Tochter Dorothea, das einzige von 5 Kindern, das das Erwachsenenalter ereichte, wurde immerhin 50 Jahre alt und heiratete einen Fürsten von Anhalt-Dessau. Sie wurde damit die Urgroßmutter des Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau, den „alten Dessauers“, nach dem ein preußischer Militärmarsch benannt ist. Auf diese Karriere gibts einen Extraschluck.

Bibi, das Küken der Runde, bringt einen Toast aus auf Anna von Ostfriesland, die instrumentalisierte Netzwerkerin.

Anna von Ostfriesland ist so unbekannt, dass sie es noch nicht einmal zu einem Eintrag bei Wikipedia gebracht hat. Aber Anna war eine Nachfahrin des schwedischen Königshauses und war lutherisch – beides war für Kurfürst Ludwig VI. von der Pfalz wichtig genug, sie nach dem Tod seiner ersten Frau zu heiraten. Da war sie 19 Jahre alt. Noch im selben Jahr war sie Witwe.

Nach Ablauf eines geziemenden Trauerjahrs heiratete sie den nur zwei Jahre älteren Markgrafen Ernst Friedrich von Baden-Durlach. Da Ludwig VI. Ernst Friedrichs Vormund gewesen war, haben sich die beiden wohl gekannt und es könnte tatsächlich Liebe im Spiel gewesen sein. Allerdings hat ihr dann das lutherische Netzwerk, dessentwegen Ludwig sie geheiratet hatte, auch nichts mehr genützt, denn Ernst Friedrich wandte sich, wie die Pfalz schon vorher, dem reformierten Bekenntnis zu. Ernst Friedrich starb 1604 im Alter von 44 Jahren.

1617 heiratete Anna ein drittes Mal, jetzt den Herzog Julius Heinrich von Sachsen-Lauenburg. Sie war jetzt 55, ihr Ehemann 31. Das ist nicht das einzig Verwundernswerte, denn die ehemalige lutherische Netzwerkerin hatte jetzt einen katholischen kaiserlichen Heerführer zum Mann. Kinder hatte sie wieder keine, es muss eine rein politisch motivierte Heirat gewesen sein. Anna wurde 59 Jahre alt, die älteste der bisher Genannten.

Noch eine kleine Randbemerkung der Geschichte: Julius Heinrich von Sachsen-Lauenburg erhielt nach der Schlacht am Weißen Berg aus dem böhmischen Krongut die Herrschaft Schlackenwerth, das seine Enkelin Sibylla Augusta dann dem Markgrafen von Baden-Baden zubrachte.