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Kurfürst Friedrich III. und Neuenahr

Macht und GlaubePosted by Redaktion Sun, June 02, 2013 00:18:50
Die Vernetzung des pfälzischen Kurfürsten Friedrich III. (Kurfürst 1559 – 1576) mit dem reformierten Lager wird in seiner Verschwägerung mit niederländischen Familien deutlich.

Zum einen ist er über seine Schwester Sabine der Schwager des Niederländers Lamoral Graf Egmond. Dieser war zwar anfänglich an der Revolution des niederländischen Adels gegen die katholische Zentralgewalt Spaniens beteiligt, war zwar dann auf die Seite des Königs übergewechselt und hatte seinerseits Protestanten in seinen Gebieten verfolgt, fiel dann aber dennoch der Rache Philipps und seines Statthalters, des Herzogs von Alba, zum Opfer und wurde am 9. September 1568 in Brüssel auf dem Grote Mart hingerichtet.Unbekannter Künstler: Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz, nach 1576

Der zweite an diesem Tag Hingerichtete, Graf Horn (oder Philippe de Montmorency, Graf Horn), war der Mann Anna Walburgas von Neuenahr, einer Tante Amalias zweiten Grades. Deren Bruder Hermann von Neuenahr-Moers war Vormund Amalias und sorgte für ihre Ausbildung.

Um das Maß voll zu machen: Amalias von Neuenahr erster Mann Heinrich von Brederode ist eine der führenden Persönlichkeiten des niederländischen Freiheitskampfes. Er war der Wortführer der Adelsopposition, die am 5. April 1566 der spanischen Statthalterin Margarete von Parma in Brüssel eine Bittschrift überreichte, die Inquisition abzuschaffen. Brederode, inzwischen Feldhauptmann der Reformierten, musste dann vor den Spaniern 1567 nach Emden fliehen. Bereits ein Jahr nach seinem Tod heiratete seine Witwe den pfälzischen Kurfürsten. Das ist die Stellung, in die Friedrich III. einheiratete. „Unbewusst“ wird das kaum gewesen sein. Die Grafschaft Neuenahr selbst, an der Grenze zwischen Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen gelegen, fiel 1546 an das Herzogtum Jülich, wurde mit diesem 1610/14 Besitz des Hauses Pfalz-Neuburg und gehörte ab 1685 zur Kurpfalz.