Der Landeskunde-Blog

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bringt, was nicht gerade
Nachrichten-Charakter hat -
Beobachtungen, Notizen, Anmerkungen
Er bringt zusätzliche Informationen
aus 100 Jahren Badischer Heimat.

Lulu, Charlie und Anna Lu

Mädelsparty in HeidelbergPosted by Redaktion Mon, January 13, 2014 12:21:53
Es gibt kaum einen größeren Unterschied als Charlie und Anna Lu. Charlie, 19 Jahre jung, sieht sich am liebsten als Amazone, als Kämpferin, und sagt von sich selbst, sie wäre im elterlichen Betrieb die bessere Geschäftführerin als ihr Bruder. Ändern kann sie an der Verteilung aber nichts.
Anna Lu dagegen, 24, kommt aus Florenz, lebt in Düsseldorf, ist stolz auf ihre Familie, liebt Schmuck und schnelle Autos (Charlie mag besonders ihre Geländewagen), hat aber von Jugend an ein stark entwickeltes soziales Gewissen.
Bleibt noch Lulu. Sie ist 17, kommt aus den Haag und ist ganz mächtig stolz auf ihren Vater, der ihre Mutter hier in Heidelberg kennen gelernt hatte. Sie mag Pferde, kann, wie ihre Freunde sagen, aufsehenerregend gut reiten, hat einen starken Sinn für die Realitäten im Leben, hat sich aber ihre Träume bewahrt.
Lulu schaut sich hier schon mal im Schloss um, wo man am besten die Musik und das Buffet aufbaut.

Bleiben noch Holli und Sabeth, aber die dürften heute abend noch kommen. Vieleicht sogar gemeinsam, was alls verwundern würde. Aber schließlich ist Mädelsparty.

Bilder: © oben katalinks, Mitte Artem Merzlenko, unten Nolte Lourens - alle fololia.com

Sibi

Mädelsparty in HeidelbergPosted by Redaktion Fri, January 10, 2014 23:53:13

Sibi ist 22, heißt eigentlich Sibylle und kommt aus München. Sie ist ein sehr pragmatischer Mensch, interessiert sich für Wissenschaften gleichermaßen wie für Literatur. Sie hat vor allem einen sicheren Geschmack, nicht nur für sich selbst sondern auch für Einrichtungen. Dass sie nebenbei die Aufgabe, ihr Leben einzurichten, mit Bravour meistert, macht sie für ihre Umwelt sehr sympathisch. Im Dirndl macht sie eine ebenso gute Figur wie in Motorradkluft.

Sibi hat eine gediegene Ausbildung im familiären und sozialen Management mit Erfolg abgeschlossen. Die Aufgabe, die sie hier in Heidelberg angetreten hat, hätte eigentlich ihre ältere Schwester übernehmen sollen. Nach deren Tod, den sie immer noch betrauert, war sie nicht nur eine Verlegenheitslösung, sondern überzeugte ihrerseits durch ihre umfassenden Qualifikationen.

Sibi liebt Musik, kann sehr gut kochen, ist zwar keine ausgesprochene Partygängerin, aber wenn sie feiert, ist sie der Mittelpunkt der Gesellschaft.

Bild: © Dan Race - Fotolia.com



Bibi

Mädelsparty in HeidelbergPosted by Redaktion Thu, January 09, 2014 23:30:00

Bibi ist 9, das Küken in der Runde. Ein Kind noch, aber sie hat ihre Rolle im Zwölferclub. Sie spricht französisch, obwohl sie Engländerin ist. Sie liebt spannende Geschichten von Rittern, Drachen und Prinzessinnen und stellt sich oft vor, ein Ritter kommt auf weißem Pferd und befreit sie aus irgendeiner misslichen Lage. Honigbonbons sollte er aber dann schon dabei haben.

Bibi (eigentlich Bianca, oder französisch Blanche) weiß schon allerhand – sie weiß, wie man einen Tisch deckt, wie man Kleider näht, wie man ein Pferd versorgt. Und sie kann kochen. Suppe vor allem, am liebsten kräftigen Eintopf.

Zu Eli hat Bibi ein ganz besonderes Verhältnis. Nicht gerade so, dass sie bei ihr auf dem Schoß sitzt, das gehört sich nicht für eine junge Dame, aber sie weiß, dass sie immer zu ihr kommen kann.

Bibi ist übrigens mächtig stolz, von den anderen mit eingeladen worden zu sein. Aber sie gehört ja schließlich auch zum Club.

Bibi: © lunamarina - Fotolia.com





Eli

Mädelsparty in HeidelbergPosted by Redaktion Thu, January 09, 2014 10:09:59

Eli ist 16 Jahre alt und kommt aus Nürnberg an den Neckar. Sie sagt von sich selbst, sie sei fränkisch-bodenständig, was sie aber nicht daran hindert, auch ausgelassen zu feiern. In ihrem Elternhaus kam sie immer wieder mit Gästen aus Italien in Kontakt, was sie einige Brocken Italienisch sprechen und verstehen lässt. Verantwortung zu übernehmen ist ihr nicht fremd, und so steigt sie in die Neustadter Filiale des Familienbetriebs als Teilhaberin ein. Eines Tages wird sie in die Zentrale nach Heidelberg überwechseln – hofft sie.
Eli auf der Terrasse hinter dem Ruprechtsbau

Sie liest gerne historische Romane, interessiert sich für die romantischen Seiten der Geschichte und pflegt einen sachlichen, aber durchaus femininen Kleidungsstil. Kochen hat sie bei ihrer Tante gelernt und hält ihre Rebhuhnbrüstchen für unübertroffen. Den Haushalt führt sie mit links.

Heidelberg kannte sie bisher nur aus Erzählungen, findet die Stadt am Neckar aber sehr hübsch. Zumindest überschaubarer als Nürnberg.

Ach ja, und sie freut sich auf die Mädelsparty im Heidelberger Schloss. Maggie ist schon da, die anderen kommen noch.

Bilder: © Daniel Ernst - Fotolia.com





Maggie

Mädelsparty in HeidelbergPosted by Redaktion Wed, January 08, 2014 10:48:49

Maggie heißt eigentlich Margarita, ist 19 und kommt aus dem sonnigen Süden. Sie ist Sizilianerin aus Palermo, spricht aber besser spanisch als italienisch. Das kommt, weil ihre Familie eigentlich aus Spanien stammt. Allerdings liebt sie die Dolci aus Palermo, diese unglaublichen süßen Gebäckteilchen mit dem Geschmack nach Mandeln. Palermo ist für sie die schönste Stadt der Welt und was sie an der Stadt besonders liebt, ist die Offenheit der Kultur. Araber, Griechen, Juden, Sizilianer – ein wahres Völkergemisch. Sie hat sich sagen lassen, das sei schon zu Zeiten ihrer Ur-Ur-Großeltern so gewesen.

Als sie hörte, dass sie nach Deutschland sollte, war sie zunächst nicht begeistert, aber es ist die Heimat ihrer Vorfahren – das ist aber schon so lange her, dass sie es schon fast gar nicht mehr für wahr hält. Deutsch hat sie erst lernen müssen, aber da ihre Freundinnen französisch sprechen, klappt die Verständigung schon ganz gut.

Angefangen hat sie als PR-Beraterin einer kleinen Firma. Inzwischen fühlt sie sich wohl in Deutschland, lebt als Managerin eben derselben kleinen Firma in einem Einfamilienhaus in der Nähe von Neustadt. Wenn im Frühjahr die Mandeln blühen, fühlt sie sich fast wie zuhause im schönen Sizilien. Was sie nach wie vor in Deutschland vermisst, ist das köstliche schiacciata, das es in den Garküchen in der Altstadt von Palermo gibt: Dünnes Fladenbrot, mit einer Paste aus Oliven und Kräutern bestrichen, Büffelkäse drauf und kurz in den Backofen. Köstlich. Vielleicht wird sie einen Bäcker in Neustadt einmal beauftragen, das zu backen.

Bild: Maggie vor dem Dom in Palermo. © Marcel Kalwa - Fotolia.com



Die zweite Frau ist eine Nichte des Ehemanns der Tochter

Macht und GlaubePosted by Redaktion Wed, August 21, 2013 14:12:05
Nein, das ist für Normalsterbliche nicht zu verstehen. Auch nicht, wenn man es umgekehrt formuliert, dass also der Mann der Tochter aus erster Ehe der Onkel der zweiten Frau ist.

Es geht hier um das Netzwerk, das der lutherische Kurfürst Ludwig VI. (1539-83) aufbaut. Seine Tochter Anna Maria (* 1561) heiratete 1579 den schwedischen Herzog Karl von Södermanland. So weit, so gut. Der Kurfürst will damit, ebenso wie der 5. Sohn des (damals bereits verstorbenen) Schwedenkönigs Gustav I. Wasa, das lutherische Lager stärken – dieser in Schweden gegen die katholischen Ambitionen seines Bruders Sigismund, jener in Deutschland, vermutlich gegen die reformierten Ambitionen, die auch sein Bruder Johann Casimir teilt.

Karl IX. von Schweden (Nationalmuseum Stockholm, Wikimedia Commons). Karl IX. trägt übrigens die gleichen unförmigen Beinkleider wie Friedrich IV.

Um dieses Netzwerk zu stärken, heiratet Ludwig VI: nach dem Tod seiner ersten Frau Elisabeth von Hessen (+ 1582) im Jahr darauf noch einmal – offenbar in der Hoffnung auf ein langes Leben. Die zweite Ehe mit Anna von Ostfriesland (1562 – 1621) dauert indessen nur wenige Monate, der Kurfürst stirbt mit 44 Jahren 1583. Wer nun ist diese Anna von Ostfriesland?

Anna von Ostfriesland, bei der Eheschließung 21 Jahre alt, ist die Tochter des Herzogs Edzard und der schwedischen Königstochter Katharina Wasa, der Tochter besagten Königs Gustav I. Wasa. Damit ist sie die Nichte von dessen (fünftem) Sohn Karl, des Schwiegersohns Ludwigs VI.

Aus der zweiten Ehe Karls von Södermanland, der ab 1607 unangefochten König von Schwden war, mit Christine von Holstein-Gottorp geht Gustav II. Adolf hervor, der zwar nicht unmittelbar mit Kurpfalz verwandt, aber doch Bestandteil dieses Netzwerks war.

Das Netzwerk um Anna von Ostfriesland indessen setzt sich fort, indem die junge Witwe bereits 1585 den ehemals unter der Vormundschaft des Kurfürsten Ludwig VI. stehenden Markgrafen Ernst Friedrich von Baden heiratet. Dieser holt sich 1588 den Straßburger Baumeister Johannes Schoch in die Markgrafschaft und lässt sich an der Stelle des Klosters Gottesaue von diesem ein Jagdschloss bauen. 1599 tritt der Markgraf zum reformierten Bekenntnis über.

Über Anna Maria, des Kurfürsten Ludwig VI. Tochter, und ihrer Tochter Katharina, die den Pfalzgrafen Johann Kasimir von Kleeburg heiratet, kommt schließlich das schwedische Königtum mit Karl X., Karl XI. und Karl XII. in das Haus Pfalz-Zweibrücken – das einzige Königtum der Wittelsbacher vor 1806, das sich über mehrere Generationen vererbt. Karl X. von Schweden hat damit einerseits Ludwig VI. von der Pfalz, andererseits Gustav I. Wasa als Urgroßväter.

Ach ja, wir haben noch ein kleines Problem.

Im Wikipedia-Artikel über Anna Maria steht, sie sei kalvinistisch gewesen. Alt Tochter eines streng lutherischen Kurfürsten ist das kaum vorstellbar.
Aber in dem Artikel steht auch, es gebe kein Porträt von ihr. Ein Besuch in der Ausstellung lehrt hier ein Besseres.

Und das ganze gibts zum Nachvollziehen auf einer Stammtafel auf Landeskunde online





Hansjakob und der Antisemitismus

100 Jahre Badische HeimatPosted by Redaktion Sun, July 28, 2013 18:39:24
Wieder einmal schlug die Begriffskette zu. Bodensee-Seiten auf Landeskunde online - Hagnau - Hansjakob. Badisches Tafelsilber, der Begriff gefällt mir besser als das abgedroschene "Urgestein", mit dem seit einiger Zeit um sich geworfen wird. Im Archiv der Badischen Heimat ein Aufsatz über Hansjakob von 1937.
Schwarz auf weiß steht hier, was der damalige Vorsitzende der Hansjakob-Gesellschaft in seinem Beitrag mit "Selbst die NS-Zeit versuchte ihn zeitweilig in ihren Blut-und-Boden-Sog mit einzubeziehen"umschrieb.
Besagter Aufsatz sollte nun tatsächlich nachweisen, dass Hansjakob ein geistiger Vorkämpfer der Nazis gewesen sein soll: "Er geißelte [in seiner Flugschrift 'Der Sozialdemokrat kommt!'] die verdächtige Busenfreundschaft der Sozialdemokratie mit dem Alljudentum." Und: "Als Hauptbollwerk gegen die jüdisch-materialistische Zersetzung sah er das Landvolk mit seinen altüberlieferten Sitten und Gebräuchen an." (Mein Heimatland 24, 1937 S. 289-293)
Da war doch ein Blick in Helmut Benders "Volksschriftsteller Heinrich Hansjakob" geraten. Im Kapitel "Hansjakob und die Juden" legt der Biograf dar, dass der Schriftsteller durchaus in "zeitgemäßen" und zeittypischen Ressentiments verhaftet war, aber sich zu keinen extremen Tiraden gegen Juden schlechthin hinreißen ließ. Ganz im Gegenteil - Hansjakobs Einstellung zu "den" Juden ist differenziert und voller Respekt gegenüber der Mehrheit dieser Bevölkerungsgruppe - "normal, wenna uch in einigem schabloniert", so Bender.
Den Aufsatz über "den Sozialdemokrat", der kommt, den müsste man mal gelegentlich lesen. Dass ein Zentrumspolitiker die Sozialdemokratie angreift, darf aber auch nicht wundern.

Der Pagenturm im Heidelberger Schloss

Macht und GlaubePosted by Redaktion Fri, July 12, 2013 08:55:39
Sinnfälligster Ausdruck der Veränderungen, die um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert mit dem Heidelberger Residenzschloss der Kurfürsten von der Pfalz vorgehen, ist der Pagenturm, die Aufstockung des "Apothekerturm" genannten mittleren Festungsturms der Ostseite. Unter Kurfürst Friedrich IV. (das ist der, der von den Jesuiten und den leichtgläubigen und trunkgierigen Studenten des 19. Jahrhunderts als Saufkopf verschrieen wurde) wandelte sich das Schloss von der reichsfürstlichen Residenz des 16. zur königsgleichen Residenz des 17. Jahrhunderts.

Ausschlaggebend hierfür waren zwei Faktoren: Zum einen die Ehe des Kurfürsten mit Louise Juliane von Oranien, die einerseits die Verbindung zur royalen Statthalterfamilie der Niederlande öffnete, andererseits aber das Bewusstsein geschaffen haben dürfte, über deren Mutter Charlotte von Bourbon-Montpensier verwandtschaftlich in die höchste Schichte des europäischen Hochadels vorgestoßen zu sein. Zum anderen war da aber auch Fürst Christian von Anhalt, der eben diese "europäische" Position der Kurpfalz und ihres Kurfüsten tatkräftig förderte, um das reformierte Lager für die kommende Auseinandersetzung um konfessionelle Freiheit und um Brechung oder Fortbestand der habsburgisch-katholischen Dominanz im Reich zu stärken.

In diesem Zusammenhang, um also die Heidelberger Residenz auch im Zeremoniell "königlich" zu machen, steht die Aufstockung des Personalbestands im Schloss auf 680 Personen, steht die Aufstockung des Apothekerturms unter Friedrich IV. um drei Stockwerke, um Räume für die zusätzlichen Pagen zu bekommen. Die Renaissance-Wendeltreppe in diesem Aufbau - im oberen Teil zerstört, nur im Rahmen von Sonderführungen zu besichtigen - schwingt sich elegant um eine offene Spindel.

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