Der Landeskunde-Blog

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Nachgeschaut: Besucherzentrum am Heidelberger Schloss

Heidelberger SpizzenPosted by Redaktion Sun, January 01, 2012 19:14:00
Dieser Tage fiel mir beim Aufräumen ein Zeitungsartikel in die Hände, der im September 2009 das neue Besucherzentrum am Heidelberger Schloss vorstellte.

Den Kasten fand ich damals zunächst nicht ansprechend, und der Komentar der Rhein-Neckar-Zetung feierte ihn entsprechend auch als "Besucherbunker". Nun gut - als ich dann die Modelle sah, dachte ich dennoch, ich könnte mich an das Bauwerk gewöhnen.

Die Computergrafik rückte ihn auch, um dem Volk seine Klobigkeit schmackhaft zu machen, dezent unter die Bäume.

Heute ist das Bauwerk fertig. Und man muss sich ernsthaft fragen, wo denn die Bäume, die die Klobigkeit des Bauwerks etwas retuschieren könnten, wachsen sollen.

Wurde damals bei der Erstellung der Grafik bewusst getäuscht? Die Pflasterung um den Bau herum verbietet jedenfalls für die nächsten 200 Jahre Baumbewuchs.

Warten wir auf den Sommer. Vielleicht breitet ja ein Baum vom dahinter liegenden Hang gnädig seine Äste aus.


Heidelbergs Rote Welle

Heidelberger SpizzenPosted by Redaktion Fri, August 19, 2011 20:14:29
Liebe Stadtväter,

als ich heute nachmittag die Altstadt Heidelbergs in Richtung Speyrer Straße verließ, musste ich leider feststellen, dass Ihr Konzept, den Verkehr mutwillig zum Zusammenbrechen zu bringen, nicht ganz stimmig ist. Von den 11 Ampeln, die ich mit meinem Fahrzeug überquerte, standen drei (!) auf grün. Ich finde, das geht so wirklich nicht.
Andersrum gefragt: Ist fließender Verkehr nicht weniger umweltschädlich, weil er weniger CO2 produziert, als ein Verkehr, der auf 2 km Strecke an 11 Ampeln achtmal angehalten wird?
Ist das fehlender Sachverstand (immerhin sind Schaltungen zur Grünen Welle seit Jahrzehnten erprobt und andernorts in Gebrauch), ist das ein ganz miserabler politischer Wille, die Autofahrer einfach zu schikanieren, oder was steckt dahinter?



Heidelberg: Rote Welle auf einer größeren Karte anzeigen
(Hier sollte die Karte kommen, dann kommt sie eben hier:


Mit freundlichen Grüßen

Rote und Grüne Wellen

Heidelberger SpizzenPosted by Redaktion Sun, July 31, 2011 16:35:26
Dieser Tage fuhr ich in Heidelberg aus der Stadt zurück nach Kirchheim. Wie üblich musste ich auf ca. anderthalb Kilometer Strecke an sechs Ampeln sechsmal anhalten. Rote Welle eben. Politisch-schikanös gewollt.
Ebenfalls dieser Tage fuhr ich in Mannheim aus der Stadt in Richtung Autobahn. Es waren zweieinhalb Kilometer. Und alle Ampeln waren grün. Grüne Welle eben. Technisch seit Jahrzehnten machbar.
Am selben Tag, von der Autobahn runter, nach Heidelberg rein. Tolle monströse Anzeige "Grüne Welle bei 70 km/h". Bei der Einführung seinerzeit als technisches Wunderwerk gefeiert. Es wunderte mich nicht wirklich, dass die Ampel trotz Grüne-Welle-Anzeige auf rot sprang.

Liebe Heidelberger Stadtväter, wundert Euch nicht, wenn die Leute lieber nach Mannheim fahren. Sie haben einfach von den Schikanen die Nase voll.

"Endlich" Bewegung im Heidelberger Schloss?

Heidelberger SpizzenPosted by Redaktion Fri, August 06, 2010 17:36:27
„Ins Schloss kommt endlich Bewegung“ titelte die Heidelberger Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) anlässlich der Grundsteinlegung des neuen Besucherzentrums im Heidelberger Schloss und wärmte letztlich doch wieder zahllose alte Kamellen auf.

Die erste Kamelle: Im Schloss IST längst Bewegung. Wenn das Land nicht seit Jahren Millionenbeträge in die weltbekannte Ruine investieren würde, wäre das Schloss wirklich nur noch eine Ruine – und eine gefährliche dazu. Die anderthalb bis zwei Millionen, die jährlich investiert werden, sind dem Berichterstatter der RNZ nur eine Randbemerkung, einen Halbsatz wert.

Der Autor dieser Zeilen wies im übrigen Staatssekretär Scheffold im Gespräch auf einen kleinen Mangel in der Öffentlichkeitsarbeit des Landes hin: Es werden zwar jährlich hohe Beträge zur Sicherung des Schlosses verbaut – aber keiner in Heidelberg bekommt das wirklich mit. Auf dem Asperg bei Ludwigsburg – hier investiert ebenfalls das Land – ist das anders. Da wird auf großen Tafeln die Bevölkerung informiert. Über alles, über den Bau und alle Begleitumstände. Auch über die Fledermäuse. Ich denke, die Heidelberger Bürger haben ein Recht darauf, zu wissen, was in „ihrem“ Schloss vorgeht.
Ludwigsburg kanns besser: Ausführliche Besucherinformation an der Festungs-Baustelle. Aufnahme 2009.


Viel wichtiger ist die leidige Toilettenfrage. Das MUSS natürlich wieder und wieder erwähnt werden. Die zweite Kamelle. Jahrelang Gejammer, es gebe keine Toiletten. Dabei gibt es welche – im Zwingerbereich und im Fasskeller. Nicht behindertengerecht, sicher. Aber es gab ja auch jahrelang (wir erinnern uns: 2007-2009) viel Getöse um diese unsägliche Rekonstruktion des Schlossgartens. Da ist auch niemand von den Investoren (Mäzene nannten sie sich) aufgestanden und hat gesagt, wir machen Nägel mit Köpfen, wir suchen und finden eine Interimslösung. Das hätte ja Ideen gebraucht. Oder hätte das die ehrenamtlich arbeitende Bürgerinitiative FÜR den Schlossgarten leisten sollen?

Die dritte Kamelle: Die Bilder des Besucherzentrums. Abgesehen von der Tatsache, dass man eine Animation ganz gewiss nicht in der Zeitung abdrucken kann – es sind wieder nur die alten Bilder vom Neubau. In der perspektivischen Verkürzung lassen sie die Fenster wirklich nur als in den Kubus gesägte Lichtschlitze erscheinen. Dass der Bau damit bei den Heidelbergern keine Liebe erzeugt, ist verständlich. Betrachtet man ihn dagegen von vorne (das ausgestellte Modell zu fotografieren hätte genügt!) dann zeigt er sich gar nicht so abweisend-unfreundlich. Das hätte doch von vornherein Klarheit in die Diskussion um den schnell als „Toilettenbunker“ verschrienen Bau gebracht.

Die Sache mit dem Kombi-Ticket

Heidelberger SpizzenPosted by Redaktion Fri, February 19, 2010 17:18:07
Heidelberg hat eine Neuheit. Seit Anfang des Jahres gibt es ein Kombiticket für den Eintritt ins Schloss und die Benutzung der Bergbahn. Als umweltpolitischen Fortschritt gefeiert soll es Besucher dazu anregen, mit der Bergbahn statt mit dem eigenen Wagen hoch zum Schloss zu fahren. Eigentlich eine gute Sache. Der Preis für den Schloss-Eintritt wurde dabei von 3.- auf 3,90 € erhöht, 1,10 € gehen an die Bergbahn. Insgesamt also 5 €.

Was allerdings aussieht wie eine deutliche Entlastung der Anwohner am Schlossberg entpuppt sich bei näherem Hinsehen doch eher als Abkassiererei. Denn: Es ist nicht abzusehen, dass auch nur ein Busunternehmen seine Reisegäste an der Talstation der Bergbahn aussteigen lässt (selbst wenn dort überhaupt der Platz dafür wäre), um sie mit der Bergbahn hochfahren zu lassen. Laut Bekundungen des Verbandes der Reisebusunternehmer ist dafür auch gar keine Zeit.

Noch weniger Zeit allerdings wäre - das nur an Rande bemerkt -, die Reisegäste am zentralen Busparkplatz in der Stadt aussteigen, durch die Stadt laufen und dann mit der Bergbahn hochfahren zu lassen.

Also werden, vielleicht bis auf wenige Ausnahmen, alle Busse weiterhin hochfahren. Und alle Reisegäste werden 5 € Eintritt bezahlen.

Ebenso wie die, die sich die Mühe machen, zu Fuß hochzulaufen. Aus einem dann als falsch verstandenen Umweltbewusstsein heraus. Auch sie finanzieren durch ihren Fußmarsch die Bergbahn mit.

Dass die Erhöhung des Eintrittspreises zum 1.1.2010 recht kurzfristig angesetzt wurde und die Kalkulationen der Reiseunternehmer durcheinander bringt, ist noch einmal eine andere Sache. Nach einem Bericht der Heidelberger Rhein-Neckar-Zeitung denkt der Verband ernsthaft an Boykott-Maßnahmen.

Seine Haut zu Weihnachts-Markte tragen

Heidelberger SpizzenPosted by Redaktion Wed, December 09, 2009 18:14:51
(1) Ich kaufe mir ein Oktavheft, um meine Gedanken festzuhalten – das billigste, das der Laden bietet. An der Kasse wird mir noch eine Weihnachts-CD angeboten. Interpret egal, Titel egal, Hauptsache Weihnachts-CD. Nichts gegen Marketing-Strategien, aber mich schaudert.

(2) Vor der Bar steht ein Plastik-Weihnachtsmann. „Nicht berühren – Don’t touch“. Ob sonst die abgrundtiefe Hohlheit dieser Puppe offenbar wird?

(3) Es kommt noch schlimmer. Vor der nächsten Bar hinter den Ständen des Weihnachtsmarkts lümmelt sich ein völlig degenerierter Weihnachtsmann auf (s)einem Stuhl, einer Vogelscheuche ähnlicher als einer Symbolfigur. Damit er vor seinem eigenen Zerrbild nicht davonläuft, ist er angebunden und zur Sicherheit noch angekettet.

(4) Oder ist das Satire???

(5) Geradezu zivil mutet dagegen die Einladung an „Genießen Sie die festliche Atmosphäre auf dem Heidelberger Weihnachtsmarkt.“ Das Wort festlich sollte gesetzlich geschützt werden. Ähnlich wie romantisch.

(6) Vermutlich ist die Festlichkeit schon dem Glühwein beigemischt, der massenhaft konsumiert wird. Ist Glühwein eigentlich eine kontrollierte Herkunfts- oder Qualitätsbezeichnung? Man liest nie, dass der 2009er Glühweinjahrgang ein ganz besonderer gewesen sei. Im Mittelalter hat man dem Wein grundsätzlich die wildesten Dinge beigemischt, um ihn überhaupt genießbar zu machen.