Der Landeskunde-Blog

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aus 100 Jahren Badischer Heimat.

Keine Deutschen in Ypern?

Flandrisches TagebuchPosted by Redaktion Sun, June 28, 2009 09:14:51

Nach einer vom "In Flanders Fields Museum" in der belgischen Stadt Ieper/Ypres (dt. Ypern) aufgestellten Statistik suchten 2008 214.418 Besucher dieses Museum des Ersten Weltkriegs und der blutigen Schlachten um Flandern auf.

Davon waren 47% Schülergruppen, 42% Einzelreisende und 12% Mitglieder von Reisegruppen.

Von den Schülergruppen kamen 58% aus Großbritannien, 27% aus Belgien (die zum allergrößten Teil das Museum im Zusammenhang mit anderen Stätten des 1. Weltkriegs besuchen) und 10% aus den Niederlanden. Die übrigen 5% verteilen sich auf die restlichen Nationen dieser Erde.

Ieper/Ypres, die gotische Tuchhalle, Sitz des Weltkriegs-Museums "In Flanders Fields". Das Gebäude wurde 1914 - 1918 völlig zerstört und 1920 - 1964 originalgetreu wieder aufgebaut. Bild: Toerisme Vlaanderen / Nieuwenhoff

Von den Individualbesuchern kamen 41% aus Belgien, 28% aus Großbritannien und 14% aus den Niederlanden. Bleibt ein Rest von 17% für die restlichen Nationen dieser Erde. Auch hier stellen drei Viertel der britischen und niederländischen Besucher ihren Aufenthalt in den Zusammenhang mit einer Reise zu den Schlachtfeldern und Friedhöfen des 1. Weltkriegs.

Wenn nicht einzelne Einträge von deutschen Besuchern im Gästebuch des deutschen Soldatenfriedhofs Langemark ein anderes Bild zeigten, man könnte meinen, wir Deutschen hätten den Ersten Weltkrieg vergessen.

Was macht der Pfälzer Löwe in Brabant?

Flandrisches TagebuchPosted by Redaktion Sun, June 14, 2009 09:19:01
Natürlich wird man neugierig, wenn man aus der Kurpfalz kommt und Fahnen mit dem Pfälzer Löwen von Zinnen und Stadthäusern flattern sieht (sie wie hier auf den Zinnen von Burg Gravensteen in Gent).

Es ist nicht der "echte" Pfälzer Löwe, er ist es farbverdreht - also nicht gold auf schwarzem Grund, sondern schwarz auf goldenem Grund, was aber für den Wappenkundler nur ein Zeichen einer gemeinsamen Herkunft ist.

Nun, Recherchen in der Geschichte sowohl der Pfalzgrafschaft als auch des Herzogtums Brabant ergeben, dass es mitnichten ein "originaler", ein ursprünglicher Pfälzer Löwe ist, der von den Zinnen der Kurpfälzer Geschichte weht. Diese Wappenfigur könnte tatsächlich, ganz unzufällig, ganz absichtlich, auf den Status der frühen Pfalzgrafschaft als lothringische Pfalzgrafschaft, als Teilherrschaft des Herzogtums Niederlothringen und auf die Verflechtungen der frühen Pfalzgrafen des 10. Jahrhunderts mit dem Raum an Mittel- und Niederrhein und des heutigen Belgien zurückgehen.

Der Brabanter, der Lothringer Löwe als Wappenfigur über dem Heidelberger Schloss - ist das nicht ein wunderbares Argument für eine noch weiter voran zu treibende europäische Einigung?


Ommegang in Brüssel

Flandrisches TagebuchPosted by Redaktion Fri, June 12, 2009 16:43:22
Eigentlich ja ein Eintrag für ein Brüsseler Tagebuch.

1549 zog die glanzvollste Figur, die die burgundische Tradition verkörpert, in Brüssel, der Hauptstadt der habsburgischen Niederlande ein: Kaiser Karl V., den man hierzulande eher als nicht des Deutschen mächtiger Kontrahent der Protestanten kennt. Er war der Nachfolger Karls des Kühnen als Herzog von Burgund, und es war ebenso sein Land, wie das heutige Belgien ihn als Repräsentanten seiner Geschichte verehrt.
Brüssel entbot ihm seine Ehrerbietung, ebenso wie seinem Sohn, dem Infanten Philipp II., der später durch seine Politik den Abfall der nördlichen, calvinistischen Niederlande hervorrufen sollte.
Dieser kaiserliche Einzug vor 460 Jahren ist Anlass für eines der glanzvollsten historischen Spektakel, das Belgien und seine Hauptstadt aufzubieten haben: Den Ommegang. Das Wort ist altflämisch und bedeutet nichts anderes als Umzug oder eben Umgang.
1400 kostümierte Teilnehmer nehmen vom 30. Juni bis 2. Juli 2009 an ihm teil, ziehen zur Kirche Norte-Dame-du-Sablon in der Oberstadt, wo ein mittelalterkiches Dorf errichtet wird, und vor allem über die Grand Place in der Unterstadt. Was den Landshutern ihre Fürstenhochzeit ist, in den Brüsselern ihr Ommegang.

Die Website des Ommegang ommegang.be hat zahlreiche Bilder und auch Videos.

Müssen Vorurteile wirklich so innig gepflegt werden?

Flandrisches TagebuchPosted by Redaktion Thu, June 11, 2009 14:26:39
Kein Reiseführer scheint ohne sie auszukommen: die Vorurteile gegenüber belgischen Autofahrern.
Zitat:
"Belgische Autofahrer ... gelten als ziemlich stur, wenn es darum geht, ihr Recht durchzusetzen, koste es was es wolle. Andererseits nimmt man es mit anderen Regeln der Straßenverkehrsordnung oft nicht so genau. Besonders Fußgängern gegenüber herrscht eine gewisse Rücksichtslosigkeit." (Brüssel, Antwerpen, Gent & Brügge, Dorling Kindersley Vis-a-Vis, Auflage 2008/2009 S. 185)
Zitat:
"Es ist den Belgiern noch nicht gelungen, ihren Ruf als schlechte Autofahrer abzulegen. ... Auf Zebrastreifen haben auch hier Fußgänger Vorrang, auch wenn sich nur wenige belgische Autofahrer daran zu halten scheinen." (Margarete Graf, Flander. Antwerpen, Brügge, Gent, Auflage 2007, S. 14)

Es ist ungeheuerlich, auf welche billige Weise hier Vorurteile weitergepflegt werden. Vor-Urteile, die eine genaueren Prüfung natürlich nicht standhalten. Deutsche Autofahrer sind in ihren allseits bekannten Einzelfällen mindestens genauso stur wie *ein* evtl. begegneter belgischer Einzelfall - und in der Gesamtheit? Ein heißes Thema - wert, an Stammtischen endlos diskutiert zu werden.
In Reiseführer gehört das aber ganz sicher nicht hinein.

Ich habe natürlich, den Reiseführern vertrauend, gespannt darauf gewartet, genau das zu erfahren. Liebe Frau Graf, ich muss Sie enttäuschen. In Sizilien hätten zehnmal mehr auf ihr Vorfahrtsrecht gepocht. In Deutschland zehnmal mehr den Zebrastreifen überfahren - von den Rasern auf der Autobahn und den Schleichern, die den linken Fahrstreifen oberlehrerhaft gepachtet haben, ganz zu schweigen.

Fußgänger haben selbstverständlich Vorrang, der Stadtverkehr in Brüssel läuft umsichtig, weil jeder weiß, dass er sich in dem Dschungel zurechtfinden muss. Und auf den Autobahnen herrscht Höchstgeschwindigkeit. Beruhigend.

Macht endlich Schluss mit den unwürdigen Vorurteilen!

Bestnote für Eethuis Edwart

Flandrisches TagebuchPosted by Redaktion Thu, June 11, 2009 13:43:58
Wohltuend hebt sich im Eethuis Edwart in de Haan an der belgischen Nordseeküste schon die Atmosphäre von der in anderen Restaurants am Platz ab. Es liegt zwar "nur" an der zweispurigen Einbahnstraße, die Oostende mit Zeebrugge verbindet, gegenüber der (übrigens denkmalgeschützten) Straßenbahnhaltestelle, aber das Interieur bezaubert allein beim Hingucken.
Kleine intime Stimmung, 7 Tischgruppen, 28 Plätze, sorgfältig zubereitete und servierte Speisen - man ist sich auf den ersten Blick sicher, selbst wenn der Fisch tiefgefroren war (wo bekommt man heute schon noch fangfrischen Fisch??), dann war er von Hand und mit einem innigen Seufzer tiefgefroren.

Der Link dahin: www.edwart.be/

Die Chambres d'hôte sehen auf der Website nicht schlecht aus, zumindest scheinen sie sehr sorgfältig ausgestattet.

Wie feste Burgen am Meer

Flandrisches TagebuchPosted by Redaktion Wed, June 10, 2009 19:55:31
Wenn sich 10 Millionen Belgier 52 km Küstenlinie teilen müssen, bleibt eine Bebauung nicht aus, die den naturverliebten Besucher erst mal abschreckt. Da kommen grob gerechnet 192.000 Einwohner auf einen Küstenkilometer. Dass da hoch gebaut werden muss, versteht sich fast von selbst.



Aber: Das letztlich doch Angenehme ist, dass doch immer wieder unberührte und unter Naturschutz stehende Dünenzonen zwischen den Badeorten liegen. Da werden Strandspaziergänge zum Genuss - und die Straßenbahn, die die Küstenorte verbindet, bringt einen auch wieder zurück.

Im Bild: Wenduine vom Strand aus gesehen.

Sprachknigge

Flandrisches TagebuchPosted by Redaktion Tue, June 09, 2009 09:18:25
Zitat:
"Wer in Flandern auf Französisch nach dem Weg fragt ... wird nicht unbedingt eine Antwort erhalten ... - wobei man manchmal auch nicht weiß, ob der Angesprochene nun nicht kann oder einfach nicht will."
Baedeker-Allianz Reiseführer Belgien S. 108

Lieber Herr Baedeker, das mag für Belgier im eigenen Land manchmal zutreffen, aber wir sollten doch unseren Nachbarn so viel freundliche Hilfsbereitschaft zutrauen, dass sie uns Besuchern gegenüber dann ganz schnell in eine andere, ihnen (und uns) vertraute Fremdsprache wechseln. Wir konnten jedenfalls diese Verschlossenheit nicht beobachten.

Kirchenschatz vom Feinsten

Flandrisches TagebuchPosted by Redaktion Sun, June 07, 2009 15:33:33
Die Unsere-Liebe-Frau-Kathedrale in Antwerpen zeigt bis Mitte November eine Zusammenstellung der Gemälde aus der einstigen Innendekoration, die in den Wirren der französischen Revolutionskriege in alle Winde zerstreut worden war. Anlass ist das 450jährige Jubiläum des Bistums Antwerpen.

Aus dem Königlichen Museum für Schöne Künste Antwerpen (Koninklijk Museum voor Schone Kunsten – KMSKA) kamen acht der schönsten Altargemälde in die Kathedrale. Dazu kommen acht Gemälde aus dem eigenen Besitz der Kathedrale. Darunter sind Meisterwerke von Rubens wie die Aufrichtung des Kreuzes oder die Kreuzabnahme.



Die Ausstellung ist sehr zurückhaltend inszeniert, gibt aber einen ganz hervorragenden Eindruck vom Reichtum und dem Wohlstand sowohl der Antwerpener Kirche als auch der Antwerpener Bürgerschaft.

Mehr dazu gibts demnächst auf Landeskunde online.