Der Landeskunde-Blog

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bringt, was nicht gerade
Nachrichten-Charakter hat -
Beobachtungen, Notizen, Anmerkungen
Er bringt zusätzliche Informationen
aus 100 Jahren Badischer Heimat.

Die Frage der Toiletten auf Burgen und Schlössern

Neu auf Landeskunde onlinePosted by Redaktion Mon, September 05, 2011 20:39:04
Heidelberg 1540:
Das heute als "Ruprechtsbau" bekannte älteste erhaltene Steingebäude des Heidelberger Schlosses erhält ein neues Obergeschoss und damit auch neue Toilettenerker.
In der gängigen Meinung nun fällt die menschliche Hinterlassenschaft aus der Toilette in freiem Fall und ungebremst in den Burggraben, wo sie vermutlich (und vermeintlich) leise vor sich hinstinkt.

Das Problem:
In Heidelberg war an der Stelle 1540 längst kein Burggraben mehr, sondern eine nicht weiter genutzte Ecke zwischen Ruprechtsbau und dem fürstlichen Speisesaal (links im Bild). Fast undenkbar, dass in dessen unmittelbarer Nähe, quasi unter dem Fenster, die Exkremente vor sich hingestunken hätten.

Die Alternative:
Auf Burg Trausnitz über Landshut ist, vom Aborterker ausgehend, ein Holzkanal rekonstruiert, der die Exkremente nach unten führt. Ob sie dann dort vor sich hinstanken, sei einstweilen unerörtert.

Die Lösung:
Gänzlich undenkbar ist der "freie Fall" im Jagdschloss Grünau des Pfalzgrafen Ottheinrich bei Neuburg an der Donau (erbaut um 1530). Hier ist einerseits die Fassade in ihrer Gänze verputzt, bemalt und sauber (zu Neubauzeiten zumindest gewesen), andererseits deutlich sichtbar ein Fenster in unmittelbarer Nähe der vermeintlichen Aufschlagstelle. Der Fensterladen ragt in geöffneten Zustand sogar einige Zentimeter in die Fall-Linie des Erkers hnein. Was, wenn der Wind die lotrechte Fall-Richtung verfälscht hätte?

Man kann also ohne weiteres davon ausgehen, dass in zivilisierteren Zeiten die menschlichen Abfälle in Holzkanälen nach unten geführt und dort womöglich in Fässern oder ähnlichen Behältnissen gesammelt wurden, bis sie vom dafür zuständigen Entsorger (in meiner Kindheit war der immer noch unterwegs, inzwischen motorisiert, und hier "Mistlachfahrer") abgefahren wurden.

Werbestatistik 2009

Neu auf Landeskunde onlinePosted by Redaktion Sat, February 20, 2010 12:18:14
Eigentlich eine perfekte Situation: Ein Laden wird von 6 Menschen betreten, und von diesen 6 Menschen fragen 25 nach dem Angebot. Statistisch eigentlich unmöglich, aber das ist eines der Ergebnisse aus der Werbe-Statistik von Landeskunde online für 2009. Der Ladenbesitzer allerdings macht ein langes Gesicht, weil von den 25 Nachfragen keine einzige in einen Kauf mündet.

Da stellt sich natürlich die Frage, ob die Leute nur aus Langeweile in das Geschäft kamen, oder ob das Angebot so schlecht ist, dass es niemanden zum Kauf verlocken konnte.

Zur Sache: Die Auswertung der Webe-Statistik für 2009 ergab, dass eingeblendete oder in Sparten aufgelistete Werbebanner insgesamt 146.000 mal auf aufgerufenen Seiten erschienen. Angeklickt wurden sie 1.948 mal, was einer Rate von 1,33 % entspricht. Allerdings ergaben sich daraus für das gesamte Jahr 2009 Werbeeinnahmen von 10,55 €.

Spitzenreiter in der Clickrate (Anteil der aktiven Clicks an den Einblendungen) ist die mitfahrzentrale.de mit besagten 25 Clicks auf 6 aufgerufenen Seiten, gefolgt von YelloStrom, eFiliale und shirtalarm.de mit einer Clickrate von jeweils 200%. Schlusslichter gibt es einige, darunter sind Hotelreservierungs- und Reisekanäle, aber interessanterweise auch Elektronikversender wie Conrad oder die Parfümerie Douglas.

Daraus ergeben sich tiefgreifende Änderungen.

Zum einen werden wir uns von einigen völlig blind laufenden Werbepartnern verabschieden. Wir respektieren das Konzept dieser Firmen, über Angebote von Werbebannern den Markennamen ohne weitere Kosten für sie publik zu machen, erlauben uns aber, diese Plätze (78.853 mal aufgerufen) anderweitig zu vergeben. Das Banner z.B. von Comdirekt wird also von den Seiten verschwinden.

Zum anderen lässt sich das Clickverhalten unserer Besucher im Sinn einer Besucherstatistik interpretieren, so dass wir zu eindeutigen Aussagen über unsere Besucherstruktur kommen – auch ohne kostspielige Befragungen und ohne zweifelhafte Registrierungen und Nutzerprofile. Hier werden wir einhaken und verstärkt auf Angebote setzen, die dieser Nutzergruppe entsprechen.

Zum dritten aber zeigt sich erneut, dass die vollmundigen Versprechen von Werbe-Anbierten, wie etwa „Verdienen Sie Geld mit Ihrer Homepage“ nichts taugen, wenn man sich nicht (wie vermutlich beabsichtigt) voll in diese Art des Marketing einklinkt. Und da investieren wir unsere Kräfte wirklich lieber in die Inhalte von Landeskunde online.

Vielleicht sollten wir aber auch Werbepartner außerhalb von "Partner-"Systemen ansprechen, um ein besseres Angebot zu erreichen.

Kaiserliche Gärten in Arenenberg

Neu auf Landeskunde onlinePosted by Redaktion Tue, June 30, 2009 10:16:32
Das Napoleonmuseum auf Schloss Arenenberg im thurgauischen Salenstein am Südufer des Bodensees zeigt bis Oktober eine Ausstellung über die Leidenschaft der Familie Bonaparte für die Gartenkunst. Anlass ist der zügige Fortschritt in der Rekonstruktion des englischen Landschaftsgartens, den Hortense de Beauharnais, Stieftochter und Schwägerin Napoleons I. und ihr Sohn Louis Napoléon (der spätere Kaiser Napoleon III.) aus einer Parkanlage der Renaissance schufen. Er wurde für die gesamte Region vorbildlich.

Landeskunde online hat diese Ausstellung zum Anlass für eine ausführliche Sequenz über Arenenberg und Napoleon III. genommen - was zugleich den Grundstock für ein neues Bodensee-Special 2009 in den Dossiers der Badischen Heimat bietet.

Von 1817 bis zu ihrem Tod 1837 lebte Hortense de Beauharnais, die Stieftochter Kaiser Napoleons I. nach dessen Sturz am Schweizerischen Bodenseeufer im Exil und erzog hier auf Schloss Arenenberg den späteren Kaiser Napoleon III. Bild: Napoleonmuseum

Unsere Seiten:
Bodensee > Museen > Arenenberg
Badische Heimat > Dossiers > Bodensee 2009


Tiefer Blick in die 50er

Neu auf Landeskunde onlinePosted by Redaktion Mon, June 22, 2009 15:45:37
Auch das Portfolio über die 50er Jahre wächst auf Landeskunde online.
In Würzburg veranstaltet das Haus der Bayerischen Geschichte eine große Landesausstellung mit dem Titel "Wiederaufbau und Wirtschaftswunder", die die Zeit der späten 40er und der 50er Jahre thematisiert. Natürlich ging es den Machern um das Lebensgefühl in Bayern, aber das hat sich nur in Einzelfällen vom Lebensgefühl im Rest der jungen Republik unterschieden.
Und wann hat man eigentlich in Baden aufgehört, "Schnellerli", "Klicker" oder auf hochdeutsch Murmeln zu spielen?
Eine interessante Schau, ganz sicher.

Aber wie stellt man den kleinbürgerlichen Mief dar, wie die Verdrängung der eigenen Geschichte, die ja Hochsaison hatte? Nach den Materialien, die das Haus der bayerischen Geschichte zur Verfügung gestellt hat, wird dieser Aspekt ziemlich ausgeklammert. Wir werden wohl selbst hin müssen und nachschauen.

Das Bild von der neuen Sitzgarnitur (unten) erinnert mich an eine Schrift, die das Mannheimer Landesmujseum für Technik und Arbeit vor Jahren herausbrachte. Sinngemäß würde sie heißen "Wie wohnten die Bundesbürger, die sich die neuen Nierentische nicht leisten konnten?"

Für die hat sich wenig geändert.

Abschied von Plüsch und Plunder (1954). Foto: Blauel / Haus der Bayerischen Geschichte

Die Nachricht auf news.kulturer.be: Tiefer Blick in die Fünfziger Jahre
Das Portfolio auf Landeskunde online: Geschichte > Zeitgeschichte > Nachkriegszeit

UNESCO Weltkulturerbe: Aachen, Pfalzkapelle

Neu auf Landeskunde onlinePosted by Redaktion Wed, June 10, 2009 18:13:17
1978 als erstes Denkmal in Deutschland in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen: Die Pfalzkapelle Karls des Großen in Aachen wurde am Ende des 8. Jahrhunderts als neues geistiges Zentrum des Frankenreiches erbaut, und sie blieb während des ganzen Mittelalters die Krönungskirche des Deutschen Reiches. 31 Könige wurden hier gekrönt - eine der wirklichen Brennpunkte, an denen sich die Geschichte manifestiert.

Krönungskirche der Könige - nicht der Kaiser, denn deren Krönungsort war Rom.
Landeskunde online hat seine Präsentation der Welterbestätten um dieses wichtige Objekt erweitert.
Und einige Welterbestätten in Brüssel und Flandern werden demnächst folgen.

Landeskunde online > UNESCO-Welterbestätten > Pfalzkapelle Aachen


Barocke Gartenlust

Neu auf Landeskunde onlinePosted by Redaktion Fri, May 01, 2009 23:38:45
Unter den Gärten Europas befindet sich in Valsanzibio nahe der italienischen Kunstmetropole Padua ein Juwel, das ab 1669 durch den Procurator Barberigo unmittelbar vor seiner Villa angelegt wurde. Der Garten überrascht sowohl durch seine Metaphorik als auch durch die Vielfalt seiner 33 Wasserspiele.

Unter ihnen befindet sich auch eine typisch barocke Lustbarkeit, die dem Vernehmen nach auch im Bruchsaler Garten zum unendlichen Ergötzen der Hofgesellschaft beitrug: Näherte man sich sorglos einer schattigen Steinbank, um sich auszuruhne, sah man sich unversehens von den unsichtbar eingebauten Springbrunnen völlig durchnässt.

Landeskunde online berichtet in Bild und Film davon:
Geschichte > Barock > Gartenkunst > Valsanzibio

Das (ehemalige) Hauptportal im Stil einer venezianischen Palastfassade

Der Krieg der Augsburger Liga

Neu auf Landeskunde onlinePosted by Redaktion Sun, April 26, 2009 00:04:49
Heidelberg (ba)rockt weiter - und die Seiten über einen virtuellen Stadtrundgang zur Baukultur des Barock im Heidelberg des frühen 18. Jahrhunderts sind endlich veröffentlicht. Hier: Barock in Heidelberg.

Nun aber sollte diese Sequenz noch durch einen historischen Artikel über die Ursache der Zerstörung, über den Pfälzischen Erbfolgekrieg ergänzt werden. Da es inzwischen gute Tradition ist, Landeskunde online durch (geprüfte) Wikipedia-Texte zu ergänzen (und im Gegenzug Wikipedia mit Landeskunde-online-Texten zu versorgen), empfahl sich also ein Blick dorthin.

Aber die Seite ist eher geeignet, die üblichen Vorurteile gegenüber Wikipedia zu bestärken. Seitenweise über die Einnahme von Philippsburg und Mainz, wenig mehr. Fehlanzeige.

Also neu schreiben. Und dabei auch - der Bearbeiter hatte sich bisher noch wenig mit den Details der französischen Reunionskriege beschäftigt - etwas gelernt: Der Pfälzische Kriegsschauplatz ist nur ein Teil des Ganzen, und die Bezeichnung des Kriegs als Pfälzischer Erbfolgekrieg ist perspektivisch bedingt. Eigentlich ist es der Krieg Frankreichs gegen die (1686 gegründete) Augsburger Liga oder Augsburger Allianz, die sich wiederum 1689 durch Beitritt Großbritanniens und der Niederlande zur Großen Wiener Allianz ausweitete. Und um die Pfälzische Erbfolge ging es nur dem Anschein nach. Ludwig XIV. war jedes Mittel recht, um Frankreich zu stärken.

Die national(istisch)e Geschichtsschreibung hatte diesen Krieg, der die vollständige Zerstörung Heidelbergs brachte, zum Anlass genommen, die deutsch-französische "Erbfeindschaft" zu beschwören. Zum Glück sind wir heute weiter - auch insoweit weiter, als wir die Befindlichkeiten Frankreichs anerkennen.

Den Text gibts unter Kurpfalz > Geschichte > Pfälz. Erbfolgekrieg

Fanclub Luise von Degenfeld

Neu auf Landeskunde onlinePosted by Redaktion Fri, April 03, 2009 00:03:45
Das Schicksal schlug wieder zu.

Pressetermin im Residenzschloss der Kurfürsten von der Pfalz in Heidelberg.

Über den Hof kam SIE <Kunstpause>

- Marie Luise von Degenfeld, an der Hand des Mannes, der sie zur linken Hand geheiratet hatte, Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz.
Marie Luise mit dem Liebreiz, den nur sie ausstrahlen kann.
Das Herz des Hofschreibers schmolz dahin.
*seufz*


Luise von Degenfeld als Figur einer Kostüm-Sonderführung im Heidelberger Schloss

Nun gut. Soweit die Mär.
Des Berichterstatters Herz fand bald wieder seine Ruhe und wandte sich der schnöden Historie zu.
Erste Frage: Was meint Wikipedia dazu?

Erste Einschätzung: Hier war ein Künstler der enzyklopädisch-sachlichen Information am Werk.
Erster Satz: "Die schöne Freiin Degenfeld übte bald eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf den Kurfürsten aus, der zuletzt vor keinem Hindernis zurückschreckte, sie zu besitzen."
Whow!
Johanna Lindsey würde vor Neid erblassen.

Karl Ludwig, Kurfürst von der Pfalz, war tatsächlich hingerissen von Luise, kein Zweifel. Und eine Frau besitzen? Das mag in der Tat im Denkschema eines pfälzischen Kurfürsten verankert gewesen sein. Aber das so einfach zu schreiben, heute, da gehört schon einiges dazu.

Zweite Aussage: "Ihr zu Ehren ließ der Kurfürst Karl Ludwig von 1659 bis 1661 in der Heidelberger Altstadt die Providenzkirche, die erste lutherische Kirche in der Residenzstadt erbauen."

Einfach nur schräg. Selbst Karl Ludwig erbaute keine Kirche "zu Ehren" seiner Geliebten. Sondern für die lutherische Gemeinde in der Stadt. Die in Lusie von Degenfeld wohl endlich die nötige Fürsprecherin gefunden hatte.

Dass "man" irgendwann den Wikipedia-Artikel um Luisens Aufenthaltsort Schwetzingen erweitern sollte, steht auf einem anderen Blatt.

Um Luise von Degenfeld hier mit Landeskunde online zu verlinken, schlug der Hofschreiber die entsprechende Seite auf - und erstarrte. Jetzt wusste er, wo der Wikipedia-Schreiber die Formulierung "ihr zu Ehren" her hatte. Peinlich.

Wir stehen dazu - und haben korrigiert.

Es ist eine durchaus romantische - und zugleich bürgerliche - Vorstellung, wie Luise des Nachts im Bett wach liegt und ihren Karl Ludwig piesackt: "Karl Ludwig?" - "brumm brumm" <andere Männer sagen da einfach 'mmmmmmmhm'> - "Sag mal... die Lutheraner haben doch noch keine Kirche in Heidelberg!?" - "brumm brumm" - "Könntest du da nicht... du bist doch der Kurfürst!" - "brumm brumm" - "War das ein Ja oder ein Ja?"

Die Providenzkirche in der Heidelberger Altstadt, die erste und einzige lutherische Kirche der Residenz, zeigt, dass es kein Ja war, sondern ein Ja.

Luise von Degenfeld lebte von 1634 bis 1677 (sollte man kaum glauben, so frisch wie sie auf dem Bild aussieht), ihr morganatischer Gemahl, Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz, von 1617 - 1680.

Luise von Degenfeld hat übrigens einen Fanclub. Einschreibungen werden hier entgegengenommen.

Ach ja. Warum der Beitrag hier überhaupt steht: Die Sonderführungen im Heidelberger Schloss sind ein echtes Highlight. Ein Hochlicht also (deutsch).

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