Der Landeskunde-Blog

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bringt, was nicht gerade
Nachrichten-Charakter hat -
Beobachtungen, Notizen, Anmerkungen
Er bringt zusätzliche Informationen
aus 100 Jahren Badischer Heimat.

Hansjakob und der Antisemitismus

100 Jahre Badische HeimatPosted by Redaktion Sun, July 28, 2013 18:39:24
Wieder einmal schlug die Begriffskette zu. Bodensee-Seiten auf Landeskunde online - Hagnau - Hansjakob. Badisches Tafelsilber, der Begriff gefällt mir besser als das abgedroschene "Urgestein", mit dem seit einiger Zeit um sich geworfen wird. Im Archiv der Badischen Heimat ein Aufsatz über Hansjakob von 1937.
Schwarz auf weiß steht hier, was der damalige Vorsitzende der Hansjakob-Gesellschaft in seinem Beitrag mit "Selbst die NS-Zeit versuchte ihn zeitweilig in ihren Blut-und-Boden-Sog mit einzubeziehen"umschrieb.
Besagter Aufsatz sollte nun tatsächlich nachweisen, dass Hansjakob ein geistiger Vorkämpfer der Nazis gewesen sein soll: "Er geißelte [in seiner Flugschrift 'Der Sozialdemokrat kommt!'] die verdächtige Busenfreundschaft der Sozialdemokratie mit dem Alljudentum." Und: "Als Hauptbollwerk gegen die jüdisch-materialistische Zersetzung sah er das Landvolk mit seinen altüberlieferten Sitten und Gebräuchen an." (Mein Heimatland 24, 1937 S. 289-293)
Da war doch ein Blick in Helmut Benders "Volksschriftsteller Heinrich Hansjakob" geraten. Im Kapitel "Hansjakob und die Juden" legt der Biograf dar, dass der Schriftsteller durchaus in "zeitgemäßen" und zeittypischen Ressentiments verhaftet war, aber sich zu keinen extremen Tiraden gegen Juden schlechthin hinreißen ließ. Ganz im Gegenteil - Hansjakobs Einstellung zu "den" Juden ist differenziert und voller Respekt gegenüber der Mehrheit dieser Bevölkerungsgruppe - "normal, wenna uch in einigem schabloniert", so Bender.
Den Aufsatz über "den Sozialdemokrat", der kommt, den müsste man mal gelegentlich lesen. Dass ein Zentrumspolitiker die Sozialdemokratie angreift, darf aber auch nicht wundern.

Regionale Identität

100 Jahre Badische HeimatPosted by Redaktion Sun, December 26, 2010 11:25:07
Aus einem Projektaufruf des Zentrums für popkulturelle Studien (CSPK, vom 21.12.2010):

"Im heutigen Europa wird regionale Identität als einer der wichtigsten Identifikationsmechanismen verstanden. Regionalistische Strömungen schöpfen ihr Potential sehr oft aus Gefühlen des Unrechts gegenüber den Zentren. Im mitteleuropäischen Raum sind sie meist mit dem konservativen Teil des politischen Spektrums verbunden, der die regionale Identität mit Hilfe primordialer Faktoren (gemeinsame Herkunft, Dialekte und weitere „objektive“ Merkmale) definiert. Auch die Wortverbindung „Europa der Regionen“ gehört zur Ideologie der sogenannten „Neuen Rechten“ (Alain de Benoist, aber auch Umberto Bossi oder Jörg Haider). Regionale Identität kann so von ihren Kritikern als Vorstufe der hoch-exklusiven ethnischen Identität verstanden werden."

Wenn es auch bei Baden nicht um "hoch-exklusive etnische Identität" gegen kann, stellt sich doch letztendlich die Frage, ob nicht sowohl die gehätschelte und gepflegte Schein-Aversion gegen "die Schwaben" als auch das Beharren auf "Alt-Badischem" den Keim eines Konservatismus in sich trägt, der den Blick auf die innovativen Möglichkeiten verstellt.

Oder, im Klartext gefragt: Was hat Baden Innovatives zu bieten, was originär badisch ist?

Oder: Ist der Wunsch nach regionaler Identität wirklich immer im konservativen Lager anzusiedeln? Widersprechen sich Regionalität und Innovativität?

Seit 1997 im Netz

100 Jahre Badische HeimatPosted by Redaktion Mon, August 10, 2009 12:50:12
Badische Heimat "auf Sendung"

Seit Anfang November läuft das "zweite Programm" der Badischen Heimat im Internet im Testbetrieb: Landeskunde online - der Internet-Reiseführer zu Kunst und Kultur, Land und Leuten am Oberrhein
Noch längst nicht alles, das Programm ist wohl zu umfangreich, um jemals vollständig im Internet zu stehen. Aber der Anfang ist gemacht, mit Freiburg und Basel fängts an.


Nachrichten & Notizen Heidelberg Nr. 6/1997 S. 11

Der erste Beleg über die Verwirklichung des Internet-Projekts Landeskunde online / kulturer.be, das demnächst sein 12. Jahr vollenden wird. Natürlich steht inzwischen auf über 23.000 Seiten alles im Netz, und auch der Bezugsrahmen hat sich, der interregionalen Vernetzung wegen, längst auf halb Europa ausgeweitet. Und die Besucherzahlen sprechen mit geschätzten 8 - 12 Millionen jährlich für sich.

Denkmalschutz ist keine Käseglocke

100 Jahre Badische HeimatPosted by Redaktion Sun, August 02, 2009 23:41:10
Aus einem Beitrag in der "Badischen Heimat" aus dem Jahr 1932:

"Die verschwundenen Höfe aufzubauen, wie sie waren, wird keinem vernünftigen Menschen einfallen, ein moderner Bauernhof muß anders aussehen wie vor etlichen hundert Jahren. Es wird auch schwer fallen diese Bauten vor der Zerstörung durch das Alter zu schützen, und sogar der Denkmalschutz wird zum Unsinn, wenn er einem Bauern verbieten will, seinen Hof nach modernen Grundsätzen umzubauen, oder den alten abzureißen und neu zu bauen, so wie er eben der Notwendigkeit rationeller Landwirtschaft entspricht. So wenig man das Menschenleben über seine Zeit hinaus verlängern kann, kann man die Lebenszeit des Menschenwerkes verlängern. Wer das anstrebte, würde gegen die Gesetze des Lebens handeln.
Eines aber können und müssen wir, wofür der Aufwand an Geldmitteln wirklich nicht zu ungeheuerlich wäre, nämlich die alten Höfe zeichnerisch aufnehmen, diese Aufnahmen an einer bestimmten Stelle sammeln und sichten, um, wenn das Material beisammen ist, einmal ein geschlossenes, topographisch und entwicklungsgeschichtlich einwandfreies Werk über das Schwarzwaldhaus und weiter über das südwestdeutsche Bauernhaus herauszubringen. Daß die Arbeit an den Landesgrenzen nicht aufhören dürfte, daß man hinausschauen müßte nach Osten und Westen, ist selbstverständlich."


Die Meinung mag dem heutigen Denkmalschutzgedanken widersprechen, zumal die Gefährdungen heute größer sind als im Jahr 1932 - aber das Prinzip kennzeichnet dennoch den einen der beiden Pole, zwischen denen sich der Denkmaalschutz heute bewegen muss.

Museumsfest in Karlsruhe

100 Jahre Badische HeimatPosted by Redaktion Sun, June 07, 2009 15:45:32
Es ist nicht unser grüner Apfel, es ist René Magrittes grüner Apfel, der vor dem neuen Musée Magritte in Brüssel verteilt wurde.



Wir werden auch grüne Äpfel verteilen, das neue Symbol für den Kultur-Kanal news.kulturer.be, und zwar auf dem Museumsfest in Karlsruhe, wo wir wieder einmal, nach langer Pause, präsent sein werden.

Museumsfest des Badischen Landesmuseums Karlsruhe, 20./21. Juni 2009.
Sie erkennen uns am grünen Apfel.

Es twittert im Land

100 Jahre Badische HeimatPosted by Redaktion Mon, May 11, 2009 16:11:23
Unser Nachrichtenkanal twittert seit gestern. Zu erreichen unter twitter.com/kulturerbe. Aufrufen, anmelden, lesen.
Und damit gibts auch unsere Nachrichten als RSS-Feed. Wollten wir schon lange.

Unser Apfel ist dabei. Er hat sich einfach als unser neues Nachrichten-Logo eingeschlichen. Plötzlich war er da. Hintersinnig.

News auf kulturerbe.deUnwissenheit ist immer noch die größte Gefahr für unsere Kulturerbe. Ignoranz kann man bekämpfen. Unwissenheit aber auch.

Nachrichten aus dem Kulturerbe auf Abruf: twitter.com/kulturerbe

1926 - Für freie Ufer am Bodensee

100 Jahre Badische HeimatPosted by Redaktion Sun, May 03, 2009 11:28:45
Geradezu hochaktuell mutet ein längerer Aufsatz an, den Emil Reisser, Konstanz, im 13. Jahrgang (1926) der Zeitschrift "Mein Heimatland" veröffentlichte. Unter dem Titel "Die Bodenseeufer, ihre Schönheit und ihre Erhaltung" tritt er dabei energisch für die Freiheit der Uferzonen und den freien Zutritt zu ihnen ein. Sein Argument: "Wenn das natürliche Ufer durch ein künstliches, durch Mauern oder gemauerte Böschungen, ersetzt wird, besonders wenn, wie üblich, diese in den See vorgeschoben werden, so leidet darunter das für den Naturhaushalt des Sees unentbehrliche Tier- und Pflanzenleben. Besonders betroffen wird die Fischerei, weil die Laich- und Standplätze der Fische beseitigt werden."
Natürlich ist der Gedanke der Erhaltung des Sees inzwischen fast schon Allgemeingut der Politik und Bestandteil (hoffentlich) aller Bauordnungen. Und den freien Zutritt zum Seeufer für Jedermann mag in unerer Zeit des massenhaften Freizeitindividualismus niemand mehr ernsthaft fordern. Aber der Grundgedanke, Natur- und Kulturlandschaft aus ökologischen Gründen besonders zu schützen, um das gesamte Netzwerk, das sich damit verbindet, für die Menschen kommender Generationen zu erhalten, den vertritt die Badische Heimat 1926 wie 2009.


Reissers Schlusssatz - ebenso aktuell: "Die Siedlungstätigkeit ist derjenige Zweig menschlicher Tätigkeit, der am meisten auf lange Sicht berechnet ist, bei dem Voraussicht des Künftigen am schwierigsten und die Wiedergutmachung von Fehlern fast unmöglich ist."

Bei der Badischen Heimat gab es letztes Jahr ein Bodensee-Special.
Badische Heimat > Online-Dossier > Bodensee 2008
Wir arbeiten auch dieses Jahr wieder daran.

Das Bild aus dem erwähnten Aufsatz zeigt die Westspitze der Insel Reichenau mit Niederzell und der Kirche St. Peter und Paul.

Usgschtellt ischs

100 Jahre Badische HeimatPosted by Redaktion Sun, March 01, 2009 23:26:06
Wie hätte man die Wanderausstellung "100 Badische Jahre", die jetzt in Freiburg zu ihrer dreijährigen Rundreise durch Badens Städte gestartet ist, besser auf den Weg bringen können als mit dem Badnerlied? Allerdings nicht in der "Standard"-Version, die überall gesungen wird, sondern verfremdet - etwas als Chopins "Etüde 1848", vorgetragen von Prof. Helmut Lörscher am Klavier.

Und die Vergangenheit? Die Jahre des Nationalsozialistischen Heimatsumpfs? Der Verein stellt sich der Vergangenheit und präsentiert Ergebnisse, die ein differenzierteres Bild ergeben, als man zunächst vermutet.

Der Beitrag im Online-Magazin (magazin.badische-heimat.de) enthält zwei Videoclips, einen von Helmut Löscher am Klavier, den zweiten zur NS-Vergangeheit.

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