Der Landeskunde-Blog

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bringt, was nicht gerade
Nachrichten-Charakter hat -
Beobachtungen, Notizen, Anmerkungen.

Ostern als Schauspiel

Im badischen Land on tourPosted by Redaktion Sat, April 20, 2019 12:54:40
Spätmittelalter und frühe Neuzeit kannten sehr ausschweifende szenische Darstellungen der Passionsgeschichte und der Osterbotschaft. Einer der Kerne dieser Schauspiele ist das "Heilige Grab", das in Kirchen oft nur als Gedächtnisort, wie etwa in Gengenbach oder im Münster in Freiburg, aber durchaus auch als Rahmen für eben diese Mysterienspiele diente. Das ausschweifendste Beispiel findet sich in der ehemaligen Deutschordenskirche in Schloss Altshausen, ein sehr schönes Werk auch im Münster in Konstanz. Bei Spielen dieser Art wurde hin und wieder auch eine Christusfigur am Karfreitag ins Grab gelegt (zu welchem Zweck sie abnehm- oder abklappbare Arme hatte) und am Ostersonntag bildlich sehr eindruckvoll wieder auferstehen gelassen.
Zu diesen szenischen Darstellungen gehört auch Christus auf dem Palmesel (Beispiel aus Musée de l'Oeuvre Notre-Dame de Strasbourg der am Palmsonntag in die "Stadt" hineingezogen wurde.




I. Das Thema

Die Schweizer TapetePosted by Redaktion Sat, July 14, 2018 18:50:06

Die elsässische Tapetenmanufaktur Zuber stellte 1804 eine Panoramatapete "Vue de Suisse" her, für die einige damals handelsübliche Kupferstiche als Vorlage dienten und in einer großformatigen Ansicht der Landschaft des Berner Oberlands zusammengestellt wurden. Diese Tapete traf den Geschmack der Zeit und wurde bis 1823 1280 mal verkauft. Ein Exemplar der ersten Auflage hängt in doppelter Ausfertigung in Schloss Schwetzingen (Rhein-Neckar-Kreis, Baden-Württemberg), ein weiteres in Schloss Rheda (Nordrhein-Westfalen), ein drittes im Stockalp-Palast in Brig (Schweiz), ein viertes Exemplar befindet sich im Besitz des Musée de l'Art decorativ in Paris, ein fünftes in Schloss Belvedere in Weimar. Ein acht Bahnen umfassender Ausschnitt hängt im Rathaus von Lenzburg (AG). Ein Neudruck des 20. Jahrhunderts hängt im Fürstenlager in Bensheim-Auerbach (Hessen), ob das Exemplar in Nyon (VD) im ehemaligen Hotel "Clos de Sadex" nach der Schließung des Hotels und der Umwandlung in Privatwohnungen noch existiert, müsste noch eruiert werden.

Die Tapete besteht aus 16 Bahnen zu je 67,5 cm Breite. Für den Druck mussten einzelne Bogen zusammengeklebt werden, da das Rollenpapier noch nicht erfunden war. Für den Druck mit 95 verschiedenen Farbtönen benötigte man insgesamt 1024 Druckstöcke. 1806 erhielt die Manufaktur in der ersten Industrieausstellung in Paris für die "Vue de Suisse" die Silbermedaille.

Jean Zuber, der 1802 die Tapetenmanufaktur in Rixheim übernommen hatte, war eng mit der Oberschicht von Mulhouse vernetzt und pflegte wie diese enge Verbindungen zur Schweiz. Noch im Jahr der Übernahme nahm er schon Verhandlungen mit dem Pariser Künstler Pierre Antoine Mongin (1761 – 1827) auf, der unter anderem durch Landschaften bekannt geworden war. Zuber sorgte für Vorlagen und Mongin erhielt den Auftrag, eine Panorama-Ansicht zu entwerfen. Mittels Subskription waren vor Fertigstellung der Tapete schon 160 Exemplare verkauft.


Es wird das Bild einer ideal wirkenden Landschaft um den Brienzer See entworfen, das die touristischen Anziehungspunkte für den Reisenden des ausgehenden 18. Jahrhunderts enthält: Burg Ringgenberg, der Gießbachfall, das Dorf Brienz. Diese Szenerie entwickelt sich vor dem Hintergrund der Berge und Gletscher des Berner Oberlands: Rosenlaui, Eiger und Jungfrau. Mit den letzteren beiden Bergstöcken geht der Blick des virtuellen Besuchers auch in das Tal der Lütschine, wo bei Lauterbrunnen der Staubbachfall schon Goethe faszinierte und inspirierte. Dieser leitet auf den ersten beiden Bahnen die Szenerie ein. Landleute in Trachten beleben die Szenen. Das Panorama klingt mit einer Darstellung von Schloss Grandson am Neuchâteler See und der Teufelsbrücke in der Schöllenenschlucht vor dem heroisch idealisierten Gotthardmassiv aus und gibt damit zwei Schlüsselszenen der Schweizer nationalen Identität.

Es ist durch eingehende Studien gelungen, die meisten der Vorlagen für die Tapete zu identifizieren. Diese Forschungen sind veröffentlicht und sie zu wiederholen ist nicht Sinn dieser Seiten. Aber schon der Vergleich mit den Vorlagen zeigt eine freie Behandlung der Szenerien durch den Maler. Ein Vergleich mit der Natur und der topografischen Wirklichkeit ist vor allem für den Nicht-Schweizer interessant, zumal sich damit das Fortleben der als "typisch schweizerischen" Ikonografie zeigt.

Die Panorama-Tapete in Schwetzingen:

Zu sehen April bis Oktober mit der "Klassischen Schlossführung (lang)" Mo – Fr 14 h; Sa, So, Feiertag 12, 14 und 16 h

Schloss Rheda:

Offene Führungen Sonntags

Stockalp-Schloss Brig:

Sommertermine Di – So 9.30 h, 10.30 h, 13.30 h, 14.30 h, 15.30 h, Juni – Sept. auch 16.30 h.



Der Titel

Die Schweizer TapetePosted by Redaktion Sat, July 14, 2018 18:26:45

Die Panoramatapete "Vue de Suisse" in den Schlössern von Schwetzingen, Rheda und Brig und die Realität im Zusammenhang mit dem Fremdenverkehr im Berner Oberland




Neustart 2018

Neu auf kulturer.bePosted by Redaktion Sat, July 14, 2018 18:09:28
Es ist still geworden um diesen Blog. Facebook hat zugeschlagen, und alles, was an Neuigkeiten entdeckt wurde, berichtet wurde, fotografiert wurde, landete dort.
Dieser Blog wird daher in der nächsten Zeit bereinigt und in den Zustand versetzt, der eigentlich für ihn geplant war - "Beobachtungen, Notizen, Anmerkungen". Nur eben in derjenigen Textform, die für Facebook zu groß ist.

Der Titel "Landeskunde-Blog" wird bleiben, auch wenn im letzten Jahr der Domain-Name "kultuter.be" in den Vordergrund gestellt wurde.

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Mannheim und der Absolutismus

Kurpfälzer PerlenPosted by Redaktion Tue, October 17, 2017 18:02:32
Es passiert selten, aber es passiert: Mannheims berühmter und charakteristischer Stadtgrundriss wird für barock gehalten, gar als Ausdruck des absolutistischen Fürstenwillens.
Ist er aber nicht. Keineswegs.
Mannheims Stadtgrundriss ist älter als das Schloss. Wenn anderswo ein Schloss und dazu eine Stadt gegründet wird (Karlsruhe 1715) oder doch mindestens ein neues Stadtviertel auf das neue Schloss bezogen wird (Ludwigsburg), so wurde 1720 bei der Gründung des Mannheimer Schlosses dieses neue Schloss auf die Stadt hin ausgerichtet. Exakt parallel und symmetrisch.
Der Grundriss ist Renaissance, geht auf moderne Theorien vom Beginn des 17. Jahrhunderts zurück (gegründet 1607). Damals schon gabs die Quadrate, die über alle Zerstörungen als Grundmuster beibehalten wurden.Merians Grundriss aus dem 17. Jahrhundert zeigt Stadt (quadrate-orientiert) und Festung (sternförmig).


Grammatik auf dem Rückzug

Gehört - gesehen - gelesenPosted by Redaktion Wed, December 03, 2014 10:02:19
Es spielt keine Rolle, dass es die Heidelberger Rhein-Neckar-Zeitung war, die sich nicht mehr um korrekte Sprache schert, dagegen sind vermutlich alle Zeitungen nicht (mehr) gefeit. Heute sind gleich zwei Schnitzer zu bemängeln.
In Speyer soll dieses Jahr eine 53jährige Frau die neue Freundin ihres Ex erstochen haben. Vor Gericht entschuldigte sie sich jetzt dafür.
Na fein, kann man da nur sagen, dann ist ja alles in Ordnung.
Das waren noch Zeiten, in denen man um Entschuldigung gebeten hat, und sie dann vielleicht gewährt bekam. Das erinnert mich doch sehr an das hingerotzte "Tschultschung" von zu spät kommenden Schülern, womit in deren Augen dann auch alles regelt war. Ich hoffe doch, dass der Richter die Frau auf diesen Sachverhalt hingewiesen hat. Der Zeitung war das jedenfalls dann keine Zeile mehr wert.

Der andere Fall: In Indien wurde dieser Tage bei einer Massensterilisation 83 Mal die gleiche Spritze verwendet, worauf 13 Inderinnen infiziert wurden und starben.
Da wird man doch nachdenklich. Aldi, Lidl & Co. verkaufen ganz sicher mehr als 83 Mal das gleiche Produkt, und von Todesfällen ist nichts bekannt. Das wird aber sicher nur verschwiegen und vertuscht.
Dass indessen 83 Mal die gleiche Spritze verwendet wurde, stimmt einfach nicht - und wäre auch gar kein Problem. Es war die selbe Spritze - und das ist nun mal wirklich in schwerer Fehler.
Im Fernsehen wurde dieser Tage ein Film gezeigt über den Ursprung von Aids. Die französischen und belgischen Kolonialherren verwendeten bei ihrer medizinischen "Hilfe" eben auch nicht die gleiche, sondern die selbe Spritze - und vervielfachten damit die Infektion mit Aids.
Es wäre interessant, ob die Überschrift mit dem Lapsus wie der Text von AFP stammt oder von den Redakteuren der Zeitung dazu "erfunden" wurde. Im Text kommt der Fehler nämlich nicht vor.

Martini

AlltagssplitterPosted by Redaktion Tue, November 11, 2014 12:24:33
Der 11. November ist der Tag des Heiligen Martin, des späteren Bischofs von Tour. Martinus wurde als Sohn eines römischen Tribuns 316/17 (oder 336) n. Chr. geboren und christlich erzogen. Er trat in den römischen Militärdienst ein und wurde Offizier, konnte aber im Lauf der Zeit diesen Militärdienst nicht mit seinem christlichen Glauben vereinen. Wohl kurz vor 356, den Jahr seines Ausscheidens aus dem Militärdienst, hatte er vor dem Stadttor von Amiens die legendäre Begegnung mit einem Bettler, mit dem er seinem Mantel teilte.

15 Jahre später wurde er Bischof von Tours, lebte ein Leben als vorbildlicher Christ, starb am 8. November 397 und wurde am 11. November desselben Jahres in seiner Bischofskirche in Tours beigesetzt.

Für den Frankenkönig Chlodwig I. war Martin mit seiner Haltung gegenüber dem als ketzerisch angesehenen Arianimus eine feste Stütze des katholischen Glaubens in seinem Reich. Der Heilige wurde damit zum Schutzheiligen der fränkischen Könige. Martins Mantel, die „cappa“, galt als fränkische Reichsreliquie, er wurde seit 679 im Königspalast in Paris aufbewahrt und auf allen Feldzügen mitgeführt. Der Aufbewahrungsort wurde danach „capella“, Kapelle, genannt, ebenso das Kollegium der dort amtierenden Priester – ein Begriff, der mit der Zeit auf alle Gotteshäuser überging, die nicht eigene Pfarrkirche waren. Ebenso ging der Begriff der Kapelle auf die Gemeinschaft der Kleriker über, die vom König/Kaiser mit besonderen Verwaltungsaufgaben betraut wurden, die „Hofkapelle“ der deutschen Kaiser des Mittelalters. Schließlich und endlich wurden auch die an der Kapelle wirkenden Musiker mit diesem Begriff belegt, der heute gegenüber dem cooleren „Band“ zurücktritt und vor allem für Feuerwehrkapellen etc. gebraucht wird.

Die Bevorzugung des Heiligen Martin im fränkischen Reich und seine Betonung als Reichsheiliger führte dazu, dass im Frühmittelalter, d.h. im 6./7. Jahrhundert, vor allem Kirchen, die auf fränkischen Staatsland („Fiskalland“) gegründet wurden, dem Heiligen Martin geweiht wurden – für die Historiker unserer Zeit ein wertvolle Hinweis.

Bleibt noch die Geschichte mit der Martinsgans. Der Legende nach versteckte sich der Heilige, als er zum Bischof von Tours gewählt werden sollte, in einem Gänsestall, wurde aber durch das Geschnatter der Tiere verraten. Diese Geschichte ist unlogisch, weil der Heilige ja sicher wusste, dass Gänse nicht gerade die schweigsamsten Tiere sind. Außerdem ist es geradezu kontraproduktiv, sich unter Gänsen verstecken zu wollen, da die Tiere selten als zutraulich bezeichnet werden können, sondern Fremdlinge eher aggressiv angehen.

Dahinter steht nichts anderes als der alte Brauch, im November die Gänse, die im Sommer und Frühherbst noch gemästet wurden, zu schlachten. Das hatte vor allem den Vorteil, dass sie nicht über den Winter gefüttert werden mussten. Die bäuerliche Bevölkerung lieferte ihre Gänse als Abgabe an die Grundherren, und die hatten die Entscheidung, sie als lebende Speisekammer weiter zu füttern oder sie ihrerseits zu schlachten. Der Ablieferungs- und Schlachttermin lag sechs Wochen vor Weihnachten, zu Beginn der weihnachtlichen Fastenzeit, vor der, ähnlich wie bei der Fasnacht, noch einmal geschlemmt wurde. Zu dieser Zeit waren auch mit den Rüben die letzten Feldfrüchte eingefahren.

In der evangelischen Welt trat naturgemäß die Heiligenverehrung deutlich zurück, aber Martini, der Martinstag, war nach wie vor ein fester Termin im bäuerlichen Kalender, zu dem auch das Gesinde seine Arbeitsstelle wechselte. Wollte man mit dem Tag eine Persönlichkeit der Glaubens verbinden, wich man auf den Geburtstag des Reformators Martin Luther (10. November) aus.

Da es in der Gegenwart mehr Martinsumzüge gibt als Musikkapellen, die zur Begleitung zur Verfügung stehen, müssen die Umzüge zeitlich gestreut werden und finden zum Teil schon einige Tage vorher statt. Selten jedoch geht die Verwirrung so weit, den Martinszug schon Anfang November stattfinden zu lassen. Der alte Brauch, beim Umzug Spenden für die Bedürftigen einzusammeln, gerät allerdings angesichts von Altkleidercontainern und ganzjährigen Sammelaktionen in Vergessenheit.

Der Brauch, eine Laterne beim Umzug mitzuführen, ist durch die Anfang November spürbar früher einbrechende Dunkelheit bedingt und gehört in die Reihe der Lichterzauber. Im alemannischen Raum werden Rüben ausgehöhlt und mit Kerzen bestückt („Räbenlicht“) – was sich mancherorts mit dem Brauch, zu Halloween Kürbisse auszuhöhlen, kreuzt.

Und Martini ist lateinisch und heißt eigentlich „dies martini“ – der Tag des Martin. Martinsabend ist dem allgemeinen Sprachgebrauch entsprechend der Vorabend des Tags, also der 10. November.



Kurpfalz im Elsass

Im badischen Land on tourPosted by Redaktion Tue, May 06, 2014 14:17:29

Vogtei Kleeburg

Diese Vogtei, eingerahmt von den Flüssen Selzbach und Lauter, besteht aus zwei Teilen, die ihre Namen von den beiden Schlössern Kleeburg und Catharinenburg tragen.

Schloss Kleeburg ist auf einem festen Grund errichtet. Kaiser Maximilian nahm es dem Kurfürsten Philipp [1504] weg und gab es, zusammen mit den dazu gehörenden Dörfern, an Herzog Alexander von Zweibrücken.

Diese Dörfer sind Rott, Steinselz, in denen der Bischof von Speyer den Vogt setzte, Oberhofen (diese drei sind ein Lehen des Kapitels in Weißenburg), Ingolsheim, Hunsbach und Hofen.

Johann Casimir, Bruder Johanns II., des Herzogs von Zweibrücken, begann 1620 mit dem Bau des Schlosses Catharinenburg. Er nannte es nach seiner Gemahlin Katharina, der Schwester Gustav Adolfs, des Schwedenkönigs. Karl Gustav, ihr Sohn, bestieg den schwedischen Thron nach der Abdankung der Königin Christina [als Karl X.], und übergab es seinem Bruder Adolf Johann. Gustav Samuel vereinigte es wieder 1718 mit dem Herzogtum Zweibrücken.

Die Herzöge von Zweibrücken kauften im Lauf des 17. Jahrhundert nacheinander die Dörfer Birlenbach, Kefenach und einen kleinen Teil von Bremmelbach.

Histoire des dix villes: jadis libres et impériales de la préfecture de Haguenau. Selon Schöpflin. Colmar 1825. S. 220 - 224

Bilder: Kleeburg (oben), Bremmelbach (Mitte), Birlenbach (unten), alle vom S. Jakobsweg aus gesehen

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