Der Landeskunde-Blog

Der Landeskunde-Blog

Der Landeskunde-Blog

bringt, was nicht gerade
Nachrichten-Charakter hat -
Beobachtungen, Notizen, Anmerkungen
Er bringt zusätzliche Informationen
aus 100 Jahren Badischer Heimat.

Grammatik auf dem Rückzug

Gehört - gesehen - gelesenPosted by Redaktion Wed, December 03, 2014 10:02:19
Es spielt keine Rolle, dass es die Heidelberger Rhein-Neckar-Zeitung war, die sich nicht mehr um korrekte Sprache schert, dagegen sind vermutlich alle Zeitungen nicht (mehr) gefeit. Heute sind gleich zwei Schnitzer zu bemängeln.
In Speyer soll dieses Jahr eine 53jährige Frau die neue Freundin ihres Ex erstochen haben. Vor Gericht entschuldigte sie sich jetzt dafür.
Na fein, kann man da nur sagen, dann ist ja alles in Ordnung.
Das waren noch Zeiten, in denen man um Entschuldigung gebeten hat, und sie dann vielleicht gewährt bekam. Das erinnert mich doch sehr an das hingerotzte "Tschultschung" von zu spät kommenden Schülern, womit in deren Augen dann auch alles regelt war. Ich hoffe doch, dass der Richter die Frau auf diesen Sachverhalt hingewiesen hat. Der Zeitung war das jedenfalls dann keine Zeile mehr wert.

Der andere Fall: In Indien wurde dieser Tage bei einer Massensterilisation 83 Mal die gleiche Spritze verwendet, worauf 13 Inderinnen infiziert wurden und starben.
Da wird man doch nachdenklich. Aldi, Lidl & Co. verkaufen ganz sicher mehr als 83 Mal das gleiche Produkt, und von Todesfällen ist nichts bekannt. Das wird aber sicher nur verschwiegen und vertuscht.
Dass indessen 83 Mal die gleiche Spritze verwendet wurde, stimmt einfach nicht - und wäre auch gar kein Problem. Es war die selbe Spritze - und das ist nun mal wirklich in schwerer Fehler.
Im Fernsehen wurde dieser Tage ein Film gezeigt über den Ursprung von Aids. Die französischen und belgischen Kolonialherren verwendeten bei ihrer medizinischen "Hilfe" eben auch nicht die gleiche, sondern die selbe Spritze - und vervielfachten damit die Infektion mit Aids.
Es wäre interessant, ob die Überschrift mit dem Lapsus wie der Text von AFP stammt oder von den Redakteuren der Zeitung dazu "erfunden" wurde. Im Text kommt der Fehler nämlich nicht vor.

Martini

AlltagssplitterPosted by Redaktion Tue, November 11, 2014 12:24:33
Der 11. November ist der Tag des Heiligen Martin, des späteren Bischofs von Tour. Martinus wurde als Sohn eines römischen Tribuns 316/17 (oder 336) n. Chr. geboren und christlich erzogen. Er trat in den römischen Militärdienst ein und wurde Offizier, konnte aber im Lauf der Zeit diesen Militärdienst nicht mit seinem christlichen Glauben vereinen. Wohl kurz vor 356, den Jahr seines Ausscheidens aus dem Militärdienst, hatte er vor dem Stadttor von Amiens die legendäre Begegnung mit einem Bettler, mit dem er seinem Mantel teilte.

15 Jahre später wurde er Bischof von Tours, lebte ein Leben als vorbildlicher Christ, starb am 8. November 397 und wurde am 11. November desselben Jahres in seiner Bischofskirche in Tours beigesetzt.

Für den Frankenkönig Chlodwig I. war Martin mit seiner Haltung gegenüber dem als ketzerisch angesehenen Arianimus eine feste Stütze des katholischen Glaubens in seinem Reich. Der Heilige wurde damit zum Schutzheiligen der fränkischen Könige. Martins Mantel, die „cappa“, galt als fränkische Reichsreliquie, er wurde seit 679 im Königspalast in Paris aufbewahrt und auf allen Feldzügen mitgeführt. Der Aufbewahrungsort wurde danach „capella“, Kapelle, genannt, ebenso das Kollegium der dort amtierenden Priester – ein Begriff, der mit der Zeit auf alle Gotteshäuser überging, die nicht eigene Pfarrkirche waren. Ebenso ging der Begriff der Kapelle auf die Gemeinschaft der Kleriker über, die vom König/Kaiser mit besonderen Verwaltungsaufgaben betraut wurden, die „Hofkapelle“ der deutschen Kaiser des Mittelalters. Schließlich und endlich wurden auch die an der Kapelle wirkenden Musiker mit diesem Begriff belegt, der heute gegenüber dem cooleren „Band“ zurücktritt und vor allem für Feuerwehrkapellen etc. gebraucht wird.

Die Bevorzugung des Heiligen Martin im fränkischen Reich und seine Betonung als Reichsheiliger führte dazu, dass im Frühmittelalter, d.h. im 6./7. Jahrhundert, vor allem Kirchen, die auf fränkischen Staatsland („Fiskalland“) gegründet wurden, dem Heiligen Martin geweiht wurden – für die Historiker unserer Zeit ein wertvolle Hinweis.

Bleibt noch die Geschichte mit der Martinsgans. Der Legende nach versteckte sich der Heilige, als er zum Bischof von Tours gewählt werden sollte, in einem Gänsestall, wurde aber durch das Geschnatter der Tiere verraten. Diese Geschichte ist unlogisch, weil der Heilige ja sicher wusste, dass Gänse nicht gerade die schweigsamsten Tiere sind. Außerdem ist es geradezu kontraproduktiv, sich unter Gänsen verstecken zu wollen, da die Tiere selten als zutraulich bezeichnet werden können, sondern Fremdlinge eher aggressiv angehen.

Dahinter steht nichts anderes als der alte Brauch, im November die Gänse, die im Sommer und Frühherbst noch gemästet wurden, zu schlachten. Das hatte vor allem den Vorteil, dass sie nicht über den Winter gefüttert werden mussten. Die bäuerliche Bevölkerung lieferte ihre Gänse als Abgabe an die Grundherren, und die hatten die Entscheidung, sie als lebende Speisekammer weiter zu füttern oder sie ihrerseits zu schlachten. Der Ablieferungs- und Schlachttermin lag sechs Wochen vor Weihnachten, zu Beginn der weihnachtlichen Fastenzeit, vor der, ähnlich wie bei der Fasnacht, noch einmal geschlemmt wurde. Zu dieser Zeit waren auch mit den Rüben die letzten Feldfrüchte eingefahren.

In der evangelischen Welt trat naturgemäß die Heiligenverehrung deutlich zurück, aber Martini, der Martinstag, war nach wie vor ein fester Termin im bäuerlichen Kalender, zu dem auch das Gesinde seine Arbeitsstelle wechselte. Wollte man mit dem Tag eine Persönlichkeit der Glaubens verbinden, wich man auf den Geburtstag des Reformators Martin Luther (10. November) aus.

Da es in der Gegenwart mehr Martinsumzüge gibt als Musikkapellen, die zur Begleitung zur Verfügung stehen, müssen die Umzüge zeitlich gestreut werden und finden zum Teil schon einige Tage vorher statt. Selten jedoch geht die Verwirrung so weit, den Martinszug schon Anfang November stattfinden zu lassen. Der alte Brauch, beim Umzug Spenden für die Bedürftigen einzusammeln, gerät allerdings angesichts von Altkleidercontainern und ganzjährigen Sammelaktionen in Vergessenheit.

Der Brauch, eine Laterne beim Umzug mitzuführen, ist durch die Anfang November spürbar früher einbrechende Dunkelheit bedingt und gehört in die Reihe der Lichterzauber. Im alemannischen Raum werden Rüben ausgehöhlt und mit Kerzen bestückt („Räbenlicht“) – was sich mancherorts mit dem Brauch, zu Halloween Kürbisse auszuhöhlen, kreuzt.

Und Martini ist lateinisch und heißt eigentlich „dies martini“ – der Tag des Martin. Martinsabend ist dem allgemeinen Sprachgebrauch entsprechend der Vorabend des Tags, also der 10. November.



Kurpfalz im Elsass

Badische Heimat on tourPosted by Redaktion Tue, May 06, 2014 14:17:29

Vogtei Kleeburg

Diese Vogtei, eingerahmt von den Flüssen Selzbach und Lauter, besteht aus zwei Teilen, die ihre Namen von den beiden Schlössern Kleeburg und Catharinenburg tragen.

Schloss Kleeburg ist auf einem festen Grund errichtet. Kaiser Maximilian nahm es dem Kurfürsten Philipp [1504] weg und gab es, zusammen mit den dazu gehörenden Dörfern, an Herzog Alexander von Zweibrücken.

Diese Dörfer sind Rott, Steinselz, in denen der Bischof von Speyer den Vogt setzte, Oberhofen (diese drei sind ein Lehen des Kapitels in Weißenburg), Ingolsheim, Hunsbach und Hofen.

Johann Casimir, Bruder Johanns II., des Herzogs von Zweibrücken, begann 1620 mit dem Bau des Schlosses Catharinenburg. Er nannte es nach seiner Gemahlin Katharina, der Schwester Gustav Adolfs, des Schwedenkönigs. Karl Gustav, ihr Sohn, bestieg den schwedischen Thron nach der Abdankung der Königin Christina [als Karl X.], und übergab es seinem Bruder Adolf Johann. Gustav Samuel vereinigte es wieder 1718 mit dem Herzogtum Zweibrücken.

Die Herzöge von Zweibrücken kauften im Lauf des 17. Jahrhundert nacheinander die Dörfer Birlenbach, Kefenach und einen kleinen Teil von Bremmelbach.

Histoire des dix villes: jadis libres et impériales de la préfecture de Haguenau. Selon Schöpflin. Colmar 1825. S. 220 - 224

Bilder: Kleeburg (oben), Bremmelbach (Mitte), Birlenbach (unten), alle vom S. Jakobsweg aus gesehen

Geliebt und von Gott gestraft, verfolgt und gedemütigt und instrumentalisiert - Die nächsten Trinksprüche

Mädelsparty in HeidelbergPosted by Redaktion Mon, January 27, 2014 00:09:03

Doro, die junge Dänin, bringt einen Toast auf Susanna aus, die Geliebte und von Gott Gestrafte.

Susanna von Bayern wurde 1502 geboren, heiratete mit 16 Jahren den Markgrafen Kasimir von Brandenburg-Kulmbach und nach dessen frühem Tod 1529, mit 27 Jahren, den gleichaltrigen Herzog Ottheinrich von Neuburg. Das war das Jahr, in dem das Augenmerk Europas der Belagerung Wiens durch die Türken galt. Das Paar ließ sich – als erstes Paar aus dem pfälzischen Umkreis – in verschiedenen Darstellungen feiern, die Zeichen sprechen dafür, dass sich beide tatsächlich geliebt haben – was in den Zeiten arrangierter und politisch motivierter Ehen nicht unbedingt üblich war. Ein erster Schatten fiel jedoch auf diese Liebe, als der erhoffte Kindersegen ausblieb. Da halfen auch Wallfahrten und Badereisen nichts. An ihr liege es nicht, mochte Susanna gedacht haben, sie hatte in ihrer ersten Ehe schon fünf Kinder zur Welt gebracht. Ottheinrich aber sah gegen Ende seines Lebens seine Kinderlosigkeit – die schließlich das Ende der alten Heidelberger Kurlinie bedeutete – als eine Strafe Gottes an. Strafe dafür, dass sein Vorfahr, Kurfürst Ludwig II. 1414 in Konstanz den tschechischen Reformator Jan Hus als Ketzer hatte hinrichten lassen. Das war reformatorisches Denken, das im letzten Lebensjahr Susannas einen weiteren Schatten auf die Beziehung zu Ottheinrich fallen ließ. Susanna starb 1543, 41 Jahre alt. Sie erlebte weder mit, wie Ottheinrich 1544 Neuburg verlassen musste, noch, wie er 1556 als Kurfürst in Heidelberg einzog.

Lulu, die Niederländerin, erhebt das Glas auf Elisabeth von Sachsen, die verfolgte und gedemütigte Protestantin.

Es war eine politisch arrangierte Ehe, wie so viele in dieser Zeit, die Elisabeth von Sachsen 1570 im Alter von 18 Jahren an die Seite des pfälzischen Prinzen Johann Casimir führte. Die Heirat an sich war schon politisch genug, versammelte sich doch in Heidelberg die protestantische Elite des Reiches, was den Kaiser zu dem Verdacht brachte, hier werde ein protestantischer „Gegenreichstag“ abgehalten. Johann Casimir allerdings fühlte sich als die Speerspitze des Calvinismus in Deutschland und machte Elisabeth 1576 zunächst, nach dem Tod seiner Vaters Friedrich III., zur Fürstin von Pfalz-Lautern, 1583 dann, nach dem Tod seines Bruders Ludwig VI., zur Gemahlin des Kuradministrators in Heidelberg. Das politische Bündnis mit Sachsen allerdings trug keine politischen Früchte, sondern wurde nur zu einem Wettbewerb, wer das größte Fass bauen konnte. Elisabeth blieb weiter lutherisch, was ihr Mann als pure Halsstarrigkeit ansah, die er ihr austreiben musste. Seinen Konversionsversuchen widerstand sie, wurde schließlich 1589 eines Mordanschlags auf ihn bezichtigt, fand bei ihrem eigenen Bruder nur taube Ohren und landete im Gefängnis. Es half ihr nichts mehr, dass sie klein beigab und zur reformierten Konfession wechselte – sie starb 1590 im Alter von 38 Jahren. Immerhin überlebte sie ihr eifernder Gemahl nur um noch nicht einmal zwei Jahre.

Ihre Tochter Dorothea, das einzige von 5 Kindern, das das Erwachsenenalter ereichte, wurde immerhin 50 Jahre alt und heiratete einen Fürsten von Anhalt-Dessau. Sie wurde damit die Urgroßmutter des Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau, den „alten Dessauers“, nach dem ein preußischer Militärmarsch benannt ist. Auf diese Karriere gibts einen Extraschluck.

Bibi, das Küken der Runde, bringt einen Toast aus auf Anna von Ostfriesland, die instrumentalisierte Netzwerkerin.

Anna von Ostfriesland ist so unbekannt, dass sie es noch nicht einmal zu einem Eintrag bei Wikipedia gebracht hat. Aber Anna war eine Nachfahrin des schwedischen Königshauses und war lutherisch – beides war für Kurfürst Ludwig VI. von der Pfalz wichtig genug, sie nach dem Tod seiner ersten Frau zu heiraten. Da war sie 19 Jahre alt. Noch im selben Jahr war sie Witwe.

Nach Ablauf eines geziemenden Trauerjahrs heiratete sie den nur zwei Jahre älteren Markgrafen Ernst Friedrich von Baden-Durlach. Da Ludwig VI. Ernst Friedrichs Vormund gewesen war, haben sich die beiden wohl gekannt und es könnte tatsächlich Liebe im Spiel gewesen sein. Allerdings hat ihr dann das lutherische Netzwerk, dessentwegen Ludwig sie geheiratet hatte, auch nichts mehr genützt, denn Ernst Friedrich wandte sich, wie die Pfalz schon vorher, dem reformierten Bekenntnis zu. Ernst Friedrich starb 1604 im Alter von 44 Jahren.

1617 heiratete Anna ein drittes Mal, jetzt den Herzog Julius Heinrich von Sachsen-Lauenburg. Sie war jetzt 55, ihr Ehemann 31. Das ist nicht das einzig Verwundernswerte, denn die ehemalige lutherische Netzwerkerin hatte jetzt einen katholischen kaiserlichen Heerführer zum Mann. Kinder hatte sie wieder keine, es muss eine rein politisch motivierte Heirat gewesen sein. Anna wurde 59 Jahre alt, die älteste der bisher Genannten.

Noch eine kleine Randbemerkung der Geschichte: Julius Heinrich von Sachsen-Lauenburg erhielt nach der Schlacht am Weißen Berg aus dem böhmischen Krongut die Herrschaft Schlackenwerth, das seine Enkelin Sibylla Augusta dann dem Markgrafen von Baden-Baden zubrachte.



Elisa, die dreizehnte

Mädelsparty in HeidelbergPosted by Redaktion Mon, January 27, 2014 00:00:14

Elisa wäre übrigens die dreizehnte im Bund – wenn sie nicht von vornherein abgesagt hätte. Mädelsparties sind nicht so sehr ihres, das ist ihr zu viel Tändelei, zu viel Übermut, zu wenig Ernsthaftigkeit. 21 Jahre alt ist Elisa, „en Hessemeedsche“. Dass 13 Mädels Unglück bringen, lehnt sie rundweg ab, das sei blinder Aberglaube. Man sei schließlich in einer aufgeklärten Zeit und nicht bei Dornröschen. Beruflich ist Elisa in der evangelischen Gemeindearbeit engagiert und strebt eine ehrenamtliche Arbeit als Prädikantin an.



Das Lob der Frau

Mädelsparty in HeidelbergPosted by Redaktion Thu, January 16, 2014 17:54:29

Kong Salomo vonn gott begabt
Das er die höchst weisheit gehabt
Für andren menschen hie auf erdt
Hat im Spruchbüchlin hochgemerdt
Der Weyber lob zu sprechende.
Ein emsig Frauw ist schwebende
Cron ires Manns sonder all wangk
Lustig und süß ihr umbefangk.
Welcher bekomm eyn frommes weib
Acht höher dann edelgstein iren leib.
Ein weib die ihre Zucht bewahrt
Ist huldenreich, angnehm und zart.
Von eltern komm durch Erbschaft wohl
Haus, Hof, reichtum, viel land und zoll.
Aber von Gott allein beschert
Ein fürsichtige Hausfrau werdt

Peter Harer, der Chronist der Hochzeit des Kurfürsten Friedrich II. von der Pfalz mit Dorothea von Dänemark, in seiner Vorrede: Das Lob der Frau

http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg337/

Die ersten Trinksprüche

Mädelsparty in HeidelbergPosted by Redaktion Tue, January 14, 2014 12:55:51

Musik, Tanz und Schlemmerei bestimmen die Mädelsparty im Heidelberger Schloss. Vorher jedoch kommen die zwölf jungen Frauen im Obergeschoss des Fassbaus zusammen und trinken auf das Wohl der Frauen, die in der Geschichte des Schlosses und seiner Bewohner im Schloss und mit dem Schloss gelitten haben.

Billi, die Bayerin, erhebt ihr Glas auf das Wohl von Marie, der Hingerichteten.

Marie von Brabant war die Ehefrau Ludwigs II., des ersten in Heidelberg geborenen wittelsbachischen Pfalzgrafen. Sie war 28, als sie 1254 den Pfalzgrafen heiratete (er war 25), und voller Sorge um ihren Liebsten schrieb sie an einen Junker am Hof einen Brief, er solle ganz besonders auf seinen Herrn acht geben. Dieser jedoch muss voller Misstrauen gewesen sein, dass ein Schriftstück von einer Frau nur Untreue, Ungemach und Schändliches bedeuten konnte, verdächtigte sie eines Verhältnisses mit dem Junker und ließ sie hinrichten. Das war 1256, und Marie war gerade einmal 30. Erst hinterher kam ihm die Idee, dass die Sache ganz anderes gewesen sein konnte, und zur Sühne für den jähzornigen Mord stiftete er das Kloster Fürstenfeld in der Nähe von München. Lebendig wurde Marie davon nicht mehr. Warum die Nachwelt Ludwig mit dem Beinamen „der Strenge“ versah, ist wohl nicht so ganz nachzuvollziehen.

Maggie, die Sizilianerin, erhebt ihr Glas (Dornfelder aus der Pfalz) auf Anna, die schöne Königin und jung Verstorbene.

Anna von der Pfalz war die Tochter des Pfalzgrafen Rudolf, der sich 1329 endlich mit seinem Onkel Ludwig (Herzog von Bayern, Pfalzgraf bei Rhein und Römischer Kaiser) über die Pfalzgrafschaft hatte einigen können. Um das Bündnis mit dem deutschen König Karl IV., gleichzeitig König von Böhmen und später Römischer Kaiser, in die Wege zu leiten und zu festigen, heiratete Karl 1349 die zwanzigjährige Pfälzerin, deren Schönheit die Zeitgenossen rühmten. Gegen Ende desselben Jahres 1349 wurde Anna in Prag zur Königin von Böhmen gekrönt, im folgenden Jahr gebar sie ihren ersten Sohn Wenzel. Dass es ihr einziger bleiben sollte, war nicht vorauszusehen – der kleine Königssohn starb schon 1351, Anna selbst starb 1353, da war sie 23. Vermutlich bei einer neuen Schwangerschaft.

Eli, die Nürnbergerin, trinkt auf das Wohl von Clara Tott (oder Dett), die musikalisch begabte und gefangen gesetzte Geliebte.

Clara Tott (oder Dett) war eine Augsburger Bürgerstochter (vielleicht aber doch „von Tettingen“, Patrizierin und damit adliger Abkunft) und war dem Pfälzer Kurfürsten Friedrich I, dem Siegreichen, aufgefallen, als der in München mit dem Bayernherzog an einem politischen Bündnis schmiedete. Friedrich muss nicht nur auf dem Schlachtfeld siegreich gewesen sein. Er, der, um Kurfürst zu werden, seinen eigenen Neffen adoptiert und eigene Ehelosigkeit gelobt hatte, um dessen Erbanspruch nicht zu schmälern, nahm sich Clara als Geliebte und hatte zwei Kinder mit ihr. Der ältere schlug die geistliche Laufbahn ein, der zweite wurde, weil er wohl letztlich doch ehelicher, wenn auch nicht standesgemäßer Abkunft war, mit der Grafschaft Löwenstein abgefunden und zum Stammvater der Fürsten von Löwenstein-Wertheim. Clara indessen war musikalisch begabt und baute am Heidelberger Hof die Hofmusik auf. Ihre Stellung am Hof war jedoch Gefährdung und Staatsgeheimnis zugleich, da sie letztendlich wohl doch Erbansprüche hatte. Friedrichs Neffe, Adoptivsohn und Nachfolger in der Kurwürde Philipp setzte sie daher nach Friedrichs Tod kurzerhand auf Burg Lindenfels für einige Jahre gefangen. Geburts- und Sterbejahr Claras sind nicht bekannt. Wenn sie 20 Jahre alt war, als sie Friedrich 1459 in die Augen und ins Herz fiel, war sie 23, als er sie heiratete, dann war sie 37, als er starb. Was aus ihr wurde, weiß niemand.

In Augsburg ist immerhin ein kleines, kaum vier Häuser aufweisendes Sträßchen nach Clara Tott benannt.

Sabeth, die Philosophin, hebt ihr Glas auf Elisabeth von Bayern-Landshut, die gescheiterte Erbin.

Elisabeth war die einzige Tochter und Erbin des Herzogs Georgs des Reichen von Bayern-Landshut. Dessen Hochzeit mit der polnischen Königstochter Jadwiga wurde 1475 mit großem Pomp in Landshut gefeiert – und ist auch heute noch Gelegenheit für eines der ganz seltenen Renaissance-Spektakel in Deutschland. Drei Jahre danach gebar Elisabeth ihre Tochter, die nach ihr ebenfalls Elisabeth hieß. Vater Georg war Herzog über das reiche, von den Handelsströmen der Zeit und dem Salzreichtum des Landes profitierende Niederbayern, und er wusste, dass sein reiches Land nach seinem erbenlosen Tod in die Hände seines oberbayrischen Vetters in München fallen würde. Er sann auf Abhilfe und schloss mit Kurfürst Philipp von der Pfalz 1496 einen geheimen Vertrag, in dem eine Ehe zwischen Tochter Elisabeth und dem damals noch minderjährigen Kurfürstensohn Ruprecht und ein Erbrecht des Paares verabredet wurden. Ruprecht wurde 1498 volljährig und heiratete verabredungsgemäß Elisabeth. Das Erbe jedoch konnte gegen die Allianz des Bayernherzogs in München mit dem Kaiser nicht durchgesetzt werden, der Landshuter Erbfolgekrieg rief alle Gegner der Pfalz auf den Plan und ging 1504 für die Pfalz verloren. Ruprecht und Elisabeth starben kurz danach an der Ruhr und hinterließen zwei kleine Söhne, für die aus dem Erbe der Mutter mit Neuburg ein kleines Fürstentum geschaffen wurde.

Für das große und mächtige Land, das damals hätte entstehen können, für die Vereinigung der Pfalz und Niederbayerns, gibts noch einen Extraschluck. Und für Ottheinrich, den Sohn aus der Ehe der beiden, noch einen.



Holli und Sabeth

Mädelsparty in HeidelbergPosted by Redaktion Mon, January 13, 2014 19:16:47
Zur Mädelsparty in Heidelberg sind jetzt mit Holli und Sabeth alle da. Holli (25, rechts) ist in der Kunstszene aktiv und hat bereits ihre ersten Bilder ausgestellt. Sabeth (29, links) hat ein abgeschlossenes Philosophiestudium und steht mit den bedeutendsten Philosophen der Zeit in Kontakt. Beide haben sie ein ganz besonders inniges Verhältnis zu ihrer jüngeren Schwester Sophie, Holli auch zu Charlie. Zu Lisa ist besonders Hollis Verhältnis eher gespannt.
Holli und Sabeth im Heidelberger Schlossgarten. Foto © luna - Fotolia.com

Nochmal zum Mitschreiben, dem Alter nach sortiert: Bibi (Bianca, 9), Doro (Dorothea, 15), Eli und Lisa (beide Elisabeth, beide 16), Lulu (Louise, 17), Charlie und Maggie (Charlotte und Margarita, beide 19), Sibi (Sibylle, 22), Anna Lu (Anna Louise, 24) Holli (Louise, 25), Sophie (28) und Sabeth (Elisabeth, 29). Alles Mädels, die mit beiden Beinen im Leben stehen und sich in Heidelberg getroffen haben, um miteinander eine Party zu feiern.

Und du, lieber Leser, kannst jetzt entscheiden, ob sie tough sind oder taff.

Next »